In den letzten Tagen und Wochen bin ich immer wieder mit diesen zwei Schlagwörtern in Kombination in Berührung gekommen. Doch haben diese etwas miteinander zu tun?

Um es gleich vorne weg zu nehmen, die Antwort lautet – wie Herr Schröder antworten würde:
Goethe‘s Faust Tragödie erster Teil, Studierzimmerszene, Fers 1867: „Nein“.
Mir ist dabei wieder ein Video von Vera F. Birkenbihl, die leider viel zu früh verstorben ist in den Sinn gekommen, in dem sie den Unterricht anprangert. Es wird den Kindern etwas von der längst vergangenen Geschichte gelehrt. „Die verstorbenen Römer“. Doch über die Zukunft?! Da wird nichts gelehrt.
Und tatsächlich ist es so. Eine Tatsache, die sich auch auf die Wirtschaft auswirkt. Wir haben Schulabgänger, die tatsächliche die Geburtsdaten von Nero, Cäsar und Co. im Schlaf aufsagen können, allerdings nicht wissen, wie sie eine Steuererklärung machen können. Oder etwa Grundlagen der Wirtschaft und von Betrieben kennen. Ich gehöre dankbarerweise zu einem Jahrgang, in dem das Fach „Wirtschaft und Recht“ probeweise eingeführt wurde und in meiner Ausbildung hatte ich einen wunderbaren Lehrer, der vor seiner Karriere an der Berufsschule an der Börse in Frankfurt tätig gewesen ist. Doch wie viele Schulabgänger hatte ich als Bewerber, bei denen es schon am kleinen Einmaleins gescheitert ist, was im Kochberuf tagtäglich sitzen muss. Ohne den Rechner auf dem Smartphone.
Doch Birkenbihl geht in zwei anderen relevanten Videos noch weiter. Etwa mit dem Thema „Schwächen“ … im Bezug auf Schüler oder etwa auch die Thematik „Traumata durch die Schule“, sie geht bis dahin, dass Sie Lehrer, die früher in den Ruhestand gehen oder sich bis zur Pensionierung in den Krankenstand versetzen lassen, mit Schulschwänzern vergleicht, die durch die Staatsgewalt in die Schule gebracht werden. (Videos auf Anfrage.)


Die Bildung, ja das Bildungssystem stellt der Wirtschaft schwere Hürden. Als Betrieb, als Unternehmer, als Auszubildende Person wird man so oft mit Grundlagenbildung belastet und strapaziert, welche eigentlich als fundamentale Aufgabe der Schulen gelten sollte. Somit wird man einerseits personell, zeitlich und schlechthin auch betriebswirtschaftlich und finanziell gefordert, dieses Manko auszubügeln und Schwächen aufzuarbeiten.
Ich zitiere einen Artikel von Raffael Scherer, der am 17. Mai 2021 I’m Merkur erscheinen ist:
« […] Einer Studie zufolge fehlen in Deutschland vielen Schülern wichtige ökonomische Grundkenntnisse. Eine Studie zeigt auf, welche Bundesländer in ihren Lehrplänen Nachholbedarf haben.
Oldenburg – Wie eröffne ich ein Bankkonto? Wie mache ich meine Steuererklärung*? Was sind Kredite und welche Versicherungen brauche ich eigentlich? All diese Fragen können die wenigsten Schüler nach ihrem Schulabschluss beantworten. Denn laut der OeBiX-Studie, die das Institut für Ökonomische Bildung der Universität Oldenburg im Auftrag der Flossbach-von-Storch-Stiftung erstellte, mangelt es den Schülern deutschlandweit an ökonomischen Grundkenntnissen. […] »
Raffael Scherer im MERKUR
Ich sehe das gleiche Dilemma tagtäglich. Wer weiß, wie man ein Konto eröffnet, was der Unterschied zwischen Haben und Soll ist oder welche Grundlagen bei Verträgen relevant sind. Doch dies endet nicht nur für die Wirtschaft als Dilemma, sondern für den Einzelnen. Etwa in der Verschuldung, niemand kennt sich fundiert mit Zinsen oder Krediten aus. Eine Unterschrift ist schnell gemacht, die juristischen Konsequenzen, welche dahinter stecken sind jedoch für die meisten nicht begreifbar. Schlechthin einfach nicht bekannt.
Es wird nur für einen Bruchteil der Schulabgänger von Relevanz sein, wann welcher Kaiser sein Reich regiert hat und welcher Künstler welchen Stil in die Kunst eingebracht hat oder auch welche Religion welche Feiertage hat. Es gibt in den deutschsprachigen Ländern ausreichend studierte Archäologen und Sozialwissenschaftler. Es fehlt allerdings beispielsweise an Medizinern, also ich denke in erster Linie an Pflegekräfte und Ärzte, Erziehern und an Handwerkern. Berufe in denen Mathematik, Deutsch, Englisch und wirtschaftliches Denken von enormer Relevanz sind. Gerade allerdings auch im sozialen Bereich soziales Denken, Empathie, Kommunikation. Also Fächer, die vernachlässigt bis gar nicht unterrichtet werden. Was bringt mir ein Schüler, der mir alle Fälle der deutschen Sprache mit Beispielen vorbeten kann, diese allerdings nicht im täglichen Leben auch in Wort und Schrift umsetzen kann? Für die Wirtschaft eine Herausforderung dies aufzuarbeiten. Und umso geformter die Schüler die Schule verlassen, umso schwerer ist es, sie später noch in die beruflichen Belange zu formen. Oder wie der Volksmund auch zu sagen pflegt: „Was Häns‘chen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr“.
Ich stehe dafür für eine klare Reform zu einem realitätsnahen Unterrichtsplan. Einem Lehrplan, der die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf das spätere Berufsleben ausreichend vorbereitet und nicht für einen Unterricht, in dem die Schüler im Musikunterricht noch „Bunt sind schon die Wälder“ vor der gesamten Klasse auswendig trällern müssen. Das bringt im Handwerksbetrieb ebenso wenig, wie dem Patienten auf Station … außer vielleicht einen Hörsturz oder Tinitus.
Interessant wäre eine Studie über den finanziellen Verlust der Unternehmen und der Wirtschaft im Allgemeinen durch mangelnde Schulbildung und den Mehraufwand, der dadurch entsteht. Eine neue Idee blüht in mir auf.