Die für heute geplante Trauerfeier und Beisetzung des Kremlgegners sorgt bereits im Vorhinein für Hindernisse und zeigt wieder die Brutalität und unberechenbare Art Putins. Zugleich allerdings auch die Angst eines Wahnsinnigen.

Der Kremlgegner Alexej Nawalny war am 16. Februar in einem sibirisches Straflager während eines Hofganges verstorben. Laut Nawalny‘s Team ist im Totenschein eine „natürliche“ Todesursache vermerkt.

Dennoch wirft dies viele Zweifel auf, zumal der mit 47 Jahren verstorbene Kritiker bereits einmal Opfer eines Giftanschlages geworden war. Diesen überlebte er nur aufgrund der intensivmedizinischen Betreuung in der Berliner Charité.

Der Bereich um den geplanten Ort der Trauerfeier ist laut Medienberichten weiträumig mit Metallzäunen abgeriegelt. Außerdem gibt es ein großes Aufgebot an uniformierten Sicherheitskräften, die Passanten kontrollieren. Hinzu ist das Internet zur Zeit reduziert. Putin versucht mit aller Macht, seine vermeintliche Macht zu demonstrieren. Schließlich will er in gut zwei Wochen wieder zur Wahl im Amt des Präsidenten stellen. Korruption, falsche Wahlergebnisse und Einschränkungen der Bevölkerung sind vorprogrammiert.

Zu den Wahlen in zwei Wochen machte der Kreml-Chef gestern in einer Fernsehansprache. Drohungen mit nuklearen Waffen sind für Putin nichts neues. Doch es gab zwei versteckte Nachrichten, wie Dr. Sabine Fischer gestern Abend analysierte. Ein Beitrag dazu findet sich auf der Homepage des Merkur. LINK zum Artikel.
Die Situation in Russland ist seit dem Konflikt, dem Krieg mit der Ukraine ohnehin angespannt. Der Westen stellt für den Machtapparat der russischen Regierung zwar Sanktionen auf und versucht durch wirtschaftliche Maßnahmen diesen in die Knie zu zwingen, bislang sichtbar ohne Erfolg. Der Tod, die Ermordung, Nawalny‘s dürfte ein weiteres Zeichen sein, welches dem Westen die eiskalte, sarkastische gesagt die sibirische, Vorgehensweise Putins verdeutlichen soll.

Die russische Regierung um Präsident Putin ist in großer Sorge. Grund: mögliche Demonstrationen, daher zeigt die Regierung eine große Präsenz der Sicherheitskräfte, welche uniformiert und in Zivil alles mögliche versuchen, um Aufstände aufkommen zu lassen.
NACHTRAG 14.06 Uhr:
» […] Inzwischen ist der Sarg mit dem Leichnam des Oppositionellen nach einer Zeremonie in der Kirche zum etwa eine halbe Stunden Fußmarsch entfernten Friedhof Borissowskoje gebracht worden. Die Trauernden hatten den Leichenwagen auf dem Weg zum Friedhof begleitet. Hier ist gegen 16 Uhr Ortszeit (14 Uhr MEZ) die Beisetzung des Oppositionellen geplant. Allerdings berichten Nawalnys Verbündete, dass der Sarg nicht aus dem Leichenwagen getragen werden kann, weil Sicherheitskräfte das Auto blockieren, in dem sich die Sargträger befinden. […] «
Tagesschau
Ein weiteres Zeichen, seitens Putins Regime. Die Blockade des Fahrzeugs, ein Machspiel, welches ebenfalls klare Zeichen demonstrieren soll. Die Zahl der Menschen vor Ort, die sich trotz Drohungen der russischen Regierung an der Trauerfeier beteiligen, sollten ein klares Zeichen für den russischen Machthaber sein. Unter den Trauergästen befinden sich desertieren viele europäische und internationale politische Abgeordnete und Gesandte.
NACHTRAG 20.19 Uhr:
» […] Festnahmen nach Beisetzung von Alexej Nawaln
Auch Stunden nach Nawalnys Beerdigung stehen in Moskau Tausende Schlange vor dem Friedhof, um sich von ihm zu verabschieden. Russlandweit wurden 67 Menschen festgenommen. […] «
Quelle: ZeitOnline