Der Urwald gilt für sämtliche Lebewesen als essenzieller Bestandteil des Lebens. Sowohl als Lieferant für klares, reines und lebenswichtiges CO2, also Luft, bietet zugleich einen Lebensraum für viele Gattungen sowohl in der Tierwelt als auch in Flora und Fauna und ist zudem ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor. Der häufig gnadenlos ausgenutzt und ausgerottet wird. Was dahinter steckt?

Eine der größten Brauereien Deutschlands, Krombacher, suggerierte vor Jahren in der Werbung, dass man mit jedem gekauften Kasten Bier einen Quadratmeter Urwald rettet. Ein offener Mythos, der nicht der Wahrheit entspricht. In meiner Recherche fand ich heraus, dass der Jahresumsatz der Brauerei im Jahr 2023 belief sich laut statista auf 951 Millionen Euro.

Zur Information: Das Dzanga-Sangha-Schutzgebiet liegt im Süden der Zentralafrikanischen Republik in der Nähe des Sangha-Flusses. Innerhalb des Schutzgebietes liegt der Nationalpark Dzanga-Ndoki, der aus zwei voneinander getrennten Sektoren besteht, Dzanga im Westen und Ndoki im Süden. Das Schutzgebiet grenzt an den Nationalpark Nouabalé-Ndoki in der Republik Kongo und den Lobéké-Nationalpark in Kamerun. Das Schutzgebiet umfasst etwa 28‘000 Quadratkilometer. Würde Krombacher tatsächlich retten würde es einen Zuwachs genießen, doch wahrhaftig tut es dies nicht.

Bei einem Verkaufspreis von 14,99 Euro pro Kasten bedeutet dies 63‘443‘294,9 Verkaufte Kästen 0,5 Liter-Kästen. Alleine auf das Jahr 2023 gerechnet. Also 63‘443‘294,9 gerettete Quadratmeter Urwald?! Wer es glaubt, ist selbst schuld. Doch Krombacher macht mir dieser Suggestion nicht nur eins, ein schmutziges Geschäft, sondern verleiht der Abhängigkeit von Alkohol auch noch einen süßen Beigeschmack. Man könnte auch meinen: „sauft für den Erhalt der Welt“. Würde Krombacher die aufgebrachten finanziellen Mittel für die Reklame, beispielsweise während Formel-1-Rennen und Fußballspielen für den Erhalt des Ur- und Regenwaldes einsetzen, wäre mehr geholfen. Ein Grund, warum Öttinger, die oft als „Billig-“ oder „Pennerplürre“ abgestempelte Brauerei ihren Hopfensaft zu Niedrigpreisen anbieten kann? Man verzichtet auf jegliche Werbung.

Krombacher äußert sich selbstsicher:
» […] Ein einfaches Versprechen lag unserem Krombacher Regenwald-Projekt zugrunde: Für jeden verkauften Kasten Krombacher wird ein Quadratmeter Regenwald geschützt. Unser Erfolg kann sich sehen lassen, denn mit der Unterstützung der Verbraucher:innen werden heute mehr als 97 Millionen Quadratmeter Regenwald im Projektgebiet geschützt. Über die Stiftung des Projekts sichern wir den Schutz des Regenwalds dauerhaft. Mindestens ebenso wichtig ist aber, dass wir mit unserem Engagement das Anliegen des WWF einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen und damit für die zentrale Bedeutung des Regenwalds für unsere Umwelt und den Erhalt der Biodiversität auf unserem Planeten sensibilisieren. […] «
Krombacher


Doch es steckt nicht nur dieses Geschäft hinter und im Regenwald. Und nebenbei erwähnt gibt es einen Unterschied in den Begriffen Urwald und Regenwald. Regenwald beschreibt und deklariert einen Wald, der dauerhaft, kontinuierlich, von größeren Niederschlagsmengen gekennzeichnet sind. Urwald hingegen beschreibt einen „Primärwald“, der also nicht durch menschliche Hand angetastet und nicht beeinflusst wird.
Meine Anfrage an die „Krombacher“-Brauerei blieb bis dato ohne Resonanz:
» Sehr geehrte Damen und Herren,
Sie suggerieren in der Werbung und im Internet, dass Sie mit jedem gekauften Kasten Krombacher einen Quadratmeter Urwald retten. Meine Recherche hat ergeben, dass Sie im Jahr 2023 insgesamt einen Umsatz von 951 Millionen Euro gemacht haben, bei einem Verkaufspreis eines Kasten 0,50 Liter-Flaschen sind dies 63‘443‘294,9 Kästen. Zu berücksichtigen ist natürlich der erzielte Gewinn durch Dosen, Einzelflaschen, …! Können Sie dennoch aufzeigen, wo der Urwald / Regenwald mit Hilfe von Krombacher gerettet wurde?! Und können Sie zeitgleich nennen, wie Sie den Ur- / Regenwald retten? Welche konstruktive Maßnahmen es gibt?
Mit freundlichen Grüßen «
Anfrage an die Krombacher-Brauerei meinerseits.
Auch die „Deutsche Welle“ (DW) berichtete, Kerstin Palme, welch ein passender Name(???), am 16.06.2015 darüber, unter wie folgt:
» […] Das Versprechen im Supermarkt klingt verlockend: Jeder Kasten Bier, jede Flasche Wasser, jedes Pfund Kaffee retten den Regenwald. Tatsächlich haben die Wälder der Erde unseren Schutz dringend nötig, denn jährlich verschwinden noch immer rund 130.000 km² Wald weltweit – mehr als die Fläche Österreichs und der Schweiz zusammen. Kann unser Konsumverhalten die grüne Lunge der Erde retten?
Deutsche Welle
Thomas Murray glaubt daran. Der Mitt-Fünfziger ist einer der Väter des 2008 gegründeten Lifestyle-Labels “Cuipo”, das seinen Namen von einem Baum aus dem Amazonas entliehen hat, der mit bis zu 60 Metern Höhe so massiv ist, dass er nach einer Waldrodung oftmals die einzige Pflanze ist, die stehen bleibt.
„Jeder Kauf eines Cuipo-Produkts rettet 1 m² Regenwald“, sagt er. Die Idee dazu kam Murray während eines Helikopterflugs über den Amazonas. „Mir fiel eine Fläche auf, die ich zuerst für einen riesigen Golfkurs gehalten habe“, erinnert er sich. „Doch dann begriff ich, dass die leeren Flecken das Ergebnis von Abholzungen sind. Und dann war mir klar, dass ich etwas tun musste.“ […] «
Doch darüber hinaus erwirtschaftet die EU eine Menge an Geldern, aus dem Regenwald.
Regenwald-schuetzen.org schreibt dazu:
» […] Holz begegnet uns sehr häufig im Alltag. Es ist ein umweltfreundlicher, nachwachsender Rohstoff. Produkte, die aus Holz hergestellt werden, sind viel verträglicher für unsere Umwelt als Produkte aus Plastik. Ein Problem wird die Verwendung von Holz jedoch, wenn für seine Gewinnung tropische Regenwälder unwiederbringlich zerstört werden. […] «
Quelle: Regenwald-schuetzen.org
Der „holzkirier.com“ schreibt dazu:
» […] Als größte Volkswirtschaft in Europa ist Deutschland ein guter Indikator für die Nachfrage nach Tropenholz. Deutschland ist der größte Produzent von Schnittholz und Holzwerkstoffen. Bei der Herstellung von Möbeln ist Deutschland der zweitgrößte Produzent und der größte Konsument.
Aufgrund der sinkenden Arbeitslosigkeit, der Expansionspolitik und des großen Verbrauchervertrauens konnte Deutschland die wirtschaftlich stürmischen vergangenen Jahre besser überstehen als die meisten anderen europäischen Länder.
Mit dem Bedarf an Laubschnittholz der Küchen- und Türhersteller sind die Händler sehr zufrieden. Darüber hinaus wird ein großes Volumen an Hartholz nach Osteuropa exportiert. […] «
Holzkurier
… was wiederum bedeutet: Deutschland braucht das Holz aus den Tropen, Krombacher versucht es zu retten. Ein Gegenspruch, der größer nicht sein könnte.
Die Bundesregierung schreibt ihrerseits dazu:
» […] Im Wirtschaftsjahr 2021 lag der Holzeinschlag in Deutschland bei 82,9 Mio. m³und damit 3,2 % über dem Vorjahreswert. Die Folgen des Klimawandels haben auch im Jahr 2021 trotz regional niedrigeren Jahresdurchschnittstemperaturen und höheren Niederschlägen bei der Holzernte in Deutschlands Wäldern nachgewirkt. […] «
Deutsche Bundesregierung

Wie man sieht sind die Wälder nicht nur in Deutschland bedroht und betroffen. Weltweite „Einschnitte“ liegen zu Grunde. Weltweit sind mehr als die Hälfte aller Wälder bedroht. Durch Ausrottung, Verdünnung und Ausbeutung droht dennoch und trotz aller Maßnahmen eine Ausbeutung! Wir leben in einer Zeit des Wandel. Es ist traurig dies mit ansehen und beobachten zu müssen, doch wo ist der „Stop-Hebel“??
Klar dürfte eines sein: der Regenwald gilt als klare Geldquelle. Allein wenn der Begriff Regenwald oder Urwald fällt, gehen die Geldbörsen vieler Menschen auf, ohne jegliche Gedanken zu verlieren, ob es einen Sinn und / oder Realität gibt. Nur es hört sich gut an und scheinbar hilft es auch ein stückweit dem Gewissen.
Der „Urwald“, sei es in Deutschland oder der tropische Urlaub am anderen Ende der Welt stellt alleine durch seinen Namen einen beachtlichen und nicht zu unterschätzenden wirtschaftlichen Faktor dar. Er stellt ebenso ein „Brand“, eine Art Marke da, wie ein Gütesiegel oder das Label „Made in Germany“. Und: er wird gleichermaßen durch dies missbraucht!