Wie das „Kompetenznetzwerk gegen Hass im Netz“ mit einer Studie nun veröffentlicht hat, nehmen Hasskommentare in sämtlichen Onlineplattformen zu. Kommentare zu Beiträgen in sozialen Medien werden demnach immer schärfer und aggressiver.

Laut einer darüber hinausreichenden Umfrage wurden bereits 49 Prozent der Teilnehmer bereits auf einen Kommentar in sozialen Medien verbal angegriffen und sahen sich unmissverständlichen Hasskommentaren nach einem Postings ausgesetzt. Eben so äußern sich 55 Prozent der Befragten dahin gehend, dass sie auf Grund von Angst vor weiteren Hasskommentare vorsichtiger, im Allgemeinen weniger, bis gar nicht mehr posten oder kommentieren. Die Anonymität des World-Wide-Web macht es Autoren von derartigen Kommentaren möglich.
Ein trauriges Beispiel dafür, hier aus Italien, dürfte das der Pizzeria-Betreiberin der „Le Vignole“, Giovanna Pedretti, sein. In diesem Falle zwar kein Kommentar, allerdings eine Bewertung. Auch diese nehmen erschreckende Ausmaße an. Im Fall Giovanna Pedretti führte dies sogar zum verzweifelten Suizid. Grund dafür war eine Bewertung der Pizzeria in Sant‘Angelo Lodigiano. Das beschauliche Örtchen liegt etwa zwei Stunden Autofahrt Süd-Östlich von Mailand entfernt.

Ein Gast schrieb nach seinem vermeintlichen Besuch:
» […] Sie setzten mich zum Essen neben Schwule, ich bemerkte es nicht sofort, weil sie gefasst waren, und ein Typ im Rollstuhl, der nur schwer aß, tat mir leid, aber ich fühlte mich nicht wohl. […] «
Kommentar beziehungsweise Bewertung eines Gastes der italienischen Pizzeria von Giovanna Pedretti.

Daraufhin folgte eine klare und unmissverständliche Antwort der Betreiberin, in der sie schrieb, dass Menschen mit derartigen Ansichten in ihrem Restaurant nicht willkommen sind. Homophobe Äußerungen und die erniedrigenden Blicke auf Menschen mit Handicap, seien nicht willkommen.
Im Originaltext (übersetzt) antwortete Giovanna Pedretti auf die Bewertung wie folgt:
» Sehr geehrter Kunde, die Worte der Verachtung gegenüber Gästen, von denen Sie anscheinend nicht belästigt worden sind, erscheinen mir als grundlose und ziemlich unangenehme Gemeinheit. Angesichts solch menschlicher Niedertracht und schlechten Geschmacks denke ich, dass unser Restaurant nichts für Sie ist. Wir bitten Sie, nicht mehr zu uns zu kommen. «
Die Antwort von Giovanna Pedretti auf den menschenverachtenden Beitrag.

Zuerst erhielt sie großes Lob, ermutigende Kommentare und reichlich Zuspruch. Zuerst, denn dann kam nur kurze Zeit nach dem positiven Zuspruch der Koch, Food-Blogger und Partner der Journalistin Selvaggia Lucarelli, Lorenzo Biagiarelli ins Spiel. Biagiarelli und Lucarelli nahmen den Kommentar genau unter die Lupe und zweifelten in einem Kommentar die Echtheit des Beitrags an. Beispielsweise aufgrund der Schriftart und Schriftgröße, welche für Google, wo die ursprüngliche Bewertung abgegeben wurden war, untypisch sei.
Und nun kommen wir wieder zum Ausgangspunkt, denn die anfänglichen positiven Kommentare schlugen schnell zu Hasskommentaren um. Aus Friedsam wurde Aggression. Dies dürfte der ausschlaggebende Grund zur schockierenden Verzweiflungstat der Pizzeria-Inhaberin gewesen sein, die diese seit etwas mehr als zehn Jahren betrieb.
Doch nicht nur das Schicksal der Pizzeria-Betreiberin Giovanna Pedrettiist ein Beispiel für die Folgen von Hasskommentare. Tag für Tag sehen sich immer mehr gerade Jugendliche und Menschen im sozialen Mittelpunkt derartigen Kommentaren ausgesetzt.
Und tatsächlich, obwohl ich an dieser Stelle noch nicht lange publiziere, auch mir wurde schon gedroht. Ein Grund, warum ich die Kommentarfunktion deaktiviert habe. Als Beispiel gab es im Bezug auf meinen Artikel zum Thema „Olivenöl und die Reinheit“ verschiedene Versuche mich einzuschüchtern. Doch solche Drohungen lasse ich erst gar nicht näher an mich heran.
Ich finde es als Resümee von enormer Bedeutung, dass Eltern bereits den Kindern den Umgang mit sozialen Medien behutsam beibringen. Die Relevanz und die Beeinflussung dieser nehmen eine immer größere Rolle im Leben von Kindern über Jugendliche bis hin zu Erwachsenen ein.