Da arbeiten, wo andere Urlaub machen.

Mit diesen Worten versuchen immer wieder Arbeitgeber, Fachkräfte oder auch ungelernte Saisonkräfte zu locken, doch ist dem auch so oder steckt dahinter einfach nur eine raffinierte Strategie, um Arbeitskräfte zu gewinnen?

Küste der südlichen Adria im Jänner 2024 – (c) Hannes1991

Gerade jetzt, Anfang des Jahres und dem Endspurt zur Personalgewinnung für die Sommersaison. Von der Nordseeküste bis zur südlichen Adria locken viele Arbeitgeber.

Eines sei gleich vorneweg genommen: Dienst ist Dienst, Schnaps ist Schnaps. Und so ist und bleibt es auch bei dem Motto „Dort arbeiten, wo andere Urlaub machen“! Dieses Konzeption der „Workation“ mag beide Aspekte und Annehmlichkeiten vereinen. Nämlich Geld verdienen und zugleich Urlaub machen. Doch was steckt wirklich dahinter und auf was sollte man achten.

Als erstes sollte man bedenken, dass es sich immer noch um Arbeit handelt, die im Vordergrund steht! Egal ob im Servicebereich, der Reinigung oder der Küche. Es ist nach wie vor ein Alltag, der von vielen Stunden Arbeit, zum Teil von bis zu zwölf Stunden oder mehr geprägt ist und der gleichermaßen kräftezehrend ist. Nach Feierabend mal eben noch den Sonnenuntergang genießen? Für die meisten Fachkräfte, die urplötzlich in der eisernen, schlichten und harten Realität aufwachen geht dies. Via Fernseher oder Internet. Doch nach zwölf Stunden harter Arbeit sucht man eigentlich kein Video oder Fernsehprogramm mehr, sondern nur noch ein warmes Bett, Ruhe und im Schlaf die Kraft für den nächsten Tag. Ich als Koch habe diese Erfahrung selbst gemacht und oftmals nur durchgehalten, weil ich wusste, wo mein Ziel ist. Dass ich immer an meine Grenzen gehen wollte. Nicht nur beim Bouldern, Bergsteigen, Sportschießen oder Schwimmen. Auch beruflich. Ich wusste schon seit meiner Ausbildung in der gehobenen Gastronomie, was Stress heißt und zugleich von meinem Ehrenamt im Rettungsdienst wie man kühlen Kopf bewahrt.

Ich möchte nicht zu weit ausschweifen. Es gibt bei dieser Art von Jobs, ob nun für eine Saison befristet, eine Jahresstelle oder zunächst ohne Befristung oft Vor- wie auch Nachteile. Halt wie in jedem Job. Doch in der Gastronomie ist man anderen Gegebenheiten ausgesetzt. Es heißt oft die Po-Backen zusammenkneifen. Ich habe nicht nur bei einer Stelle einige junge Menschen kennen gelernt, die sehr schnell wieder in die Heimat zurück gekehrt sind und damit kapituliert haben. Auch mich hat es einmal zur Kapitulation getrieben. Es war in Oberösterreich, unweit von Bad Ischl (der bekannten Salz-Stadt), hatte mich ein Haubenkoch gewonnen. Doch die Vorfreude war schnell hinüber. Als ich in einer alten Rumpelkammer mit defektem Bett untergebracht war. Das Bett erinnerte eher an ein als Trampolin umfunktioniertes Einrichtungsutensil. Jegliche weitere Vermutungen, mag ich gar nicht äußern. Nun gut, mit diesem Zustand kann man als junger Koch umgehen. Doch eine ständige herablassende Bezeichnung als Piefke, ein Bloßstellen, Schlüssel-werfen und einige Dinge mehr brachten mich zu dem Entschluss einer meinerseits (Arbeitnehmerseiten) fristlosen Kündigung. Diese Tatsache wurde mir zwar sehr übel genommen, weil man mich lange geworben hatte und bereits viele Absagen potentieller Arbeitnehmer gab, dennoch wollte ich mich dieser Tatsache nicht gegenübergestellt sehen. So folgte ich einem wunderbaren Lockruf vorerst in die Landeshauptstadt von Oberösterreich, Linz, und wenig später einem attraktiven Job nach Tirol, unweit von Innsbruck, wo ich im einiges bessere Gegebenheiten und Voraussetzungen erfahren durfte und zugleich mit meinem Wissen wertgeschätzt wurde.

Eine große Nebenwirkung, die viele junge Bewerber gerade bei Saison- und Jahresstellen unterschätzen: Du musst dich schon frühzeitig um eine, die, nächste Anstellung bewerben. Alternativ eine Zeit der Überbrückung einberechnen, inklusive Wohnmöglichkeit. Die meisten Saisonstellen sind im Zeitraum, gerade im alpinen Raum, von April oder Mai bis etwa Ende August, spätestens September. Und beginnen wieder von Anfang November bis etwa Ende Jänner, Mitte Februar. In der Zwischenzeit bedarf es jedoch oftmals dennoch einer Unterkunft und einer Tätigkeit. Dies kann schnell zum Verhängnis werden. Auch wenn der Verdienst während der Tätigkeit geregelt und akzeptabel ist, oft Kost und Logis inkludiert sind. Während der Tätigkeit eine unbewohnte Wohnung zu stellen ist möglich, dennoch schwierig. Wer eine Wohnung in einer Großstadt angemietet hat, kann diese recht einfach und meist problemlos zur zeitlich begrenzten Zwischenmiete anbieten. Doch Achtung! Dafür fallen gegebenstes und wenn es nicht „unter der Hand“ laufen soll, wovon ich aus juristischen, steuerrechtlichen als auch versicherungstechnischen Gründen stark abrate, muss trotz guten Verdienstes gut kalkulieren können.

Nicht alles was glänzt ist auch gleich Gold. Viele Arbeitgeber Preisen Stellen als etwas „ganz besonderes“ an. Doch ist dem auch so? Selbst erlebt: wunderbar angepriesene Stelle! Resultat: Supermarkt und Tabakgeschäft weit entfernt, nachts aufgrund der räumlichen Gegebenheiten kein WC. Dies habe ich so im Salzburger Land unweit von St. Johann vorgefunden. Die Löhne kamen mit Verzögerungen und viele weitere Unannehmlichkeiten, doch ich habe die Augen zugekniffen. Obwohl es kein Zuckerschlecken war.

Die Gastronomie leidet gerade vielerorts im deutschsprachigem Raum unter und an Personalmangel. So wird gerne auch mal bei Ausschreibungen die Situation geschönt und teilweise, ja man darf es offen sagen, seitens der potentiellen Arbeitgeber gelogen. Und dabei sollte man sich nicht immer auf Bewertungen von einschlägigen Bewertungsportalen verlassen. Wenn der Gast sagt: „alles bestens, es ist ein wundervolles Restaurant versus Hotel…“, so kennt er lediglich und ausschließlich die Sicht auf dieses Haus als Gast, nicht als Mitarbeiter. „Außen Hui, innen pfui“ … trifft es wohl am besten. Man kann allerdings auch andersherum überrascht werden, denn es stimmt bei weitem nicht jede negative Bewertung. Nur die wenigsten treffen zu. Schaut man sich Bewertungen von gastronomischen Einrichtungen in touristischen Hochburgen an, in denen man lediglich zehn negative Einträge finden kann, allerdings jährlich über 50‘000 Gäste im Haus bewirtschaftet werden, oder auch mehr, kann man stark davon ausgehen, dass es hier super zu geht. Denn ein psychologischer Effekt wird oft vergessen: ein angenehmer, wohliger und schöner Aufenthalt in einem Lokal oder Restaurant wird als selbstverständlich angesehen, die zehn Mahlzeiten, die pro Jahr als vermeintlich kalt, versalzen … what ever negativ erwähnt werden gab es zum ersten Punkt oft gar nicht und zweitens: wenn doch mal ein Missgeschick in der Küche passiert ist bekommt dies eine höhere Anmerkung und damit Relevanz zugestanden, als ein perfektes Essen. Drittens liegen zehn negative Bewertungen noch einmal im Promillebereich. Häufig erfährt man als Gastronom nicht einmal vom Gast davon. So habe ich es in meinem Restaurant erlebt. Die Gäste trauen sich nicht etwas anzumerken, essen fleißig, bezahlen und wenn sie zu Hause sind oder gerade einen schlechten Tag hatten und im Auto sitzen, gibt es die negative Bewertung. Ein trauriges Phänomen der Neuzeit. Diesem schiebt nun allerdings als erstes Land in der Europäischen Union, Italien, ein Riegel vor. Auch wenn die rechte Regierung, seit einem Jahr, mit Vorbehalten und Zweifeln zu betrachten ist: sie bringt zeitgegenwärtig ein Gesetz in die Gesetzgebung ein, dass anonyme Bewertungen von gastronomischen Betrieben, wie auch Betrieben der Hotellerie verboten werden. Es soll transparent sein, wer da postet. Auch wenn die Umsetzung recht schwierig, schier unmöglich scheint – Fakeaccounts sind unlängst für Kindergartenkinder kein Problem mehr – wäre dies ein exorbitanter Schritt in die richtige Richtung und ein klares Zeichen.

Grundsätzlich bleibt anzumerken: Arbeiten, wo andere Urlaub machen ist trotz Ruhetagen und Zeiten der Freizeit immer noch mit Arbeit verbunden. Und Ruhetage oft dafür da, um tatsächlich mal zur wortwörtlichen Ruhe, Schlaf und zum Regenerieren zu finden. Oftmals fehlt schlussendlich dennoch die Zeit um die wundervollen und zum Teil einzigartigen Urlaubsziele zu genießen und zu erkunden. Augen auf bei der Stellenwahl!!!

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