Welch ein „Insolvenzmonat“. Der erste Monat des neuen Jahres hat gleich mehrere Insolvenzen mit sich gebracht. Wie ich schon nach der Signa-Insolvenz vermutet hatte, bleibt es nicht nur bei Galeria-Kaufhof-Karstadt und Signa. Nun ist auch die KaDeWe-Gruppe davon betroffen. Am bekanntesten dürfte wohl das KaDeWe auf dem“ Ku’damm“ (Kurfürstendamm) unweit des Zoo in Berlin sein. Das „Kaufhaus Des Westen“ ist dort seit eh und je ein angesiedeltes Luxuskaufhaus. Gegründet wurde das wohl bekannteste Warenhaus Deutschlands schon im Jahre 1907 von Adolf Jandorf.

Mittlerweile zählen allerdings auch Standorte in Hamburg, mit dem „Alsterhaus“, sowie in München, mit dem „Oberpollinger“, zur KaDeWe-Gruppe. Seit der Gründung im Jahre 1907 hat die KaDeWe-Gruppe mehrfach den Mutterkonzern gewechselt und gehört seit 2014 zu Central Group, diese hat ihren Sitz in Bangkok (Thailand) und ist auf Warenhäuser, Immobilien und Hotels spezialisiert. Für das Jahr 2025 ist des Weiteren eine Expansion geplant, die bereits im vollen Gange ist. So sollen das „Lamarr“ in Wien sowie das „Carsch-Haus“ in Düsseldorf Teil der KaDeWe Group werden. Diese werden aktuell bereits renoviert und umgebaut.
Der Standort in Berlin zählte zu Zeiten der Innerdeutschen Teilung durch „die Mauer“ gerade bei Ostdeutschen als Inbegriff für Freiheit, Luxus und alles andere als die gewohnte Planwirtschaft. Waren im Überfluss. So war es für jeden DDR-Bürger, der auch nur irgendwie die Möglichkeit hatte, einmal nach Westberlin zu kommen oft ein fixer Bestandteil des Aufenthalts dort.

Doch zurück zum Thema. Wieder einmal muss ich – leider – sagen: „Wen wundert‘s?“. Wer jemals im KaDeWe oder in den Häusern in München oder Hamburg gewesen ist, wird schnell die gehobene Preisklasse erkannt haben. Doch es hat weder etwas damit zu tun, dass prinzipiell wirtschaftliche Mittel in der Bevölkerung fehlen. Ebenso wenig der Aspekt, dass die Arbeitslosenquote nur leicht gestiegen ist (im Dezember 2023 laut destatis bei 5,7%, im selben Zeitraum des Vorjahres bei 5,4%, im Dezember 2021 bei 5,1%),
Nun, woran liegt es dann? Man sollte sich ein wenig über die Hintergründe informieren. Die KaDeWe-Gruppe hat nach meinen Recherchen im Geschäftsjahr 2022/2023 einen Umsatz von 728 Millionen Euro erwirtschaftet, dies ist im Vergleich zum Geschäftsjahr 2018/2019 (vor Corona) ein sattes Plus von 23, fast 24 Prozent. Hört sich erstmal gut an und man fragt sich, warum dann plötzlich ein Insolvenzantrag am Landgericht Berlin – Charlottenburg eingereicht wird, welchem mittlerweile auch schon stattgegeben und ein Jurist für das Insolvenzverfahren eingesetzt wurde. Allerdings erwähnte ich eingangs schon die Insolvenz von Signa. Und jetzt wird es interessant und gibt eine klare Begründung für die Insolvenz: wieder einmal eine Verstrickung auf höchstem Niveau. Denn ein Name, der in den letzten Wochen immer wieder gefallen ist, fällt zugleich mit in diese Insolvenz. Nämlich René Benko, richtig gehört es handelt sich um den österreichischen Signa-Gründer der nach Einschätzungen des „Forbes“-Magazin im Jahre 2022 ein geschätztes Privatvermögen von 5,4 Milliarden US-Dollar hatte und somit als drittreichster Österreicher eingeschätzt wurde.
Die Signa-Gruppe ist Miteigentümer der KaDeWe-Gruppe und diese wiederum hat Signa eine Mitschuld an der eigenen Insolvenz gegeben. Signa ist Eigentümer der der Immobilien in Berlin, Hamburg und München, so müsse die KaDeWe-Gruppe an die Signa-Gesellschaften horrende Mieten zahlen, welche ein wirtschaftliches Handeln fast unmöglich mache. Im gleichen Zeitraum schiebt allerdings der drittreichste Österreicher – René Benko – laut verschiedenen Medienberichten in verstrickte private Stiftungen.
Michael Peterseim, CEO der KaDeWe-Gruppe äußert sich dazu wie folgt: »… Ziel ist es, die KaDeWe Group zu schützen […] alle Häuser verzeichnen auch in volkswirtschaftlich schwierigen Zeiten steigende Umsätze, was eine starke Leistung ist.«, ebenso äußert er sich zu den horrenden Indexmieten wie folgt: »… sie sind nicht marktüblich – und sollen weiter ansteigen …«. So ist ein Insolvenzverfahren kein Wunder. Nach eigenen Angaben verzeichnete die KaDeWe—Gruppe mit dem Geschäftsjahr 2022/2023 zwar das erfolgreichste Geschäftsjahr der Unternehmensgeschichte mit einem Unsatzplus von knapp 24 Prozent, dennoch sind die Mieten um 37 Prozent gestiegen. Dennoch stehen die Zeichen nicht schlecht für die KaDeWe-Gruppe und damit die Central (Holding) Group. Diese behält die Mehrheit der Firmenanteile mit 50,1 Prozent inne. Signa hingegen als Mitgesellschafter lediglich 49,9 Prozent. Peterseim erklärte gegenüber den Medien: »… wir lassen Altlasten hinter uns und Streifen vor allem die hohen Mietlasten für unsere Häuser ab …«, so sieht er es ebenfalls als Ziel des Infolvenzverfahrens, die Mieten neu zu verhandeln.
Um kurz noch ein paar Zahlen in den Raum zu werfen. Hacker gelangten an Unterlagen des Unternehmens, welche diese anschließend im Darknet verbreiteten. So lagen die Mieten für die drei bestehenden Immobilien im Geschäftsjahr 2016/2017 bei 65 Millionen Euro, für das Jahr 2023 bereits bei 81 Millionen Euro und sollen bis zum Jahr 2045 auf sage und schreibe 112 Millionen Euro ansteigen.
Eine Schande für Signa und René Benko sehe ist darin, dass diese Misere hätte verhindert werden können. Schlussendlich ist Signa Mitgesellschafter, wenn auch nur Minderheitsgesellschafter, dennoch musste die KaDeWe-Gruppe auch während der Corona-Zeit ohne jegliche Verhandlungsmöglichkeit und ohne jegliches „Entgegenkommen“ der Signa-Group dieser die volle Miete entrichten. Obwohl Signa ebenfalls Eigentümer ist und jetzt umso mehr darunter leiden könnte, zumal durch die eigene Insolvenz nun die juristische Lage komplett neu zu bewerten ist und damit eine Neuverhandlung zu anderen Konditionen wesentlich problemloser erfolgen dürfte.