Gütesiegel ist nicht gleich Gütesiegel! Hat man einen Computer und einen Drucker, hat man in fünf Minuten ein „Gütesiegel“.

Nach meinem Artikel zum Thema Olivenöl habe ich merkwürdigerweise eine Flut von Nachrichten erhalten. Teils in Form von Lob. Teils in Form von Kritik. Teils in Form von Drohungen. Ich lasse mich allerdings nicht unterbuttern. Der Artikel bleibt online, so, wie ich ihn veröffentlicht habe. Und ich bleibe an dem Thema dran. Zugleich kamen allerdings hinsichtlich der Thematik „Gütesiegel“ und „Zertifizierung“ (Ich berichtete, dass gepantschtes und nicht für den Verkauf zugelassenes Olivenöl mit BIO-Siegel in den Umlauf gebracht wurde) auch Fragen, was es für Gütesiegel gibt kamen auf, welchen man vertrauen kann und vieles mehr. Daher gibt es hier noch einen Artikel, mit dem ich einer großen Lobby auf den Zahn fühle und ein Dorn im Auge sein dürfte. Ich finde es dennoch exorbitant wichtig darüber zu berichten.
.
VERSCHIEDENE GÜTESIEGEL
Kurz gesagt: es gibt so viele Gütesiegel, wie Rinderarten. Und kein Schwein blickt durch. Hier mal zwei Übersichten über die wohl im deutschsprachigem Raum bekanntesten.


Das Problem liegt auf der Hand. Es ist vergleichbar für mich mit Nachrichten. Am Abend wird man im Fernsehen regelrecht überflutet mit „News“. Drei Nachrichtensendungen bedeutet fünf differenzierte Meinungen. Wem kann man Glauben schenken? Ähnlich verhält es sich bei den Gütesiegeln für Lebensmitteln.
Auch ist diese Übersicht sehr interessant:


Dies ist im Übrigen das EU-Bio-Gütesiegel (leider etwas unscharf
.
KRITIK AN DEN GÜTESIEGELN
Als erstes sollte man klar aufzeigen, dass es immer und überall Lücken gibt. Lücken und Wege, um selbst das beste System zu umgehen. So auch im Bereich der Lebensmittelgütesiegel. Es ist ein finanzielles Interesse, so bleibt nicht auszuschließen, dass es auch an dieser Stelle Verstrickungen zwischen Landwirten und Kontrolleuren gibt. Demeter, BioLand, NaturLand, …, sind privat geführte Institutionen. Ich würde gerne einen Kontrolleur sehen, der über den Acker rennt und mit einem Maßband abmisst, ob die Hektarzahl für die artgerecht Tierhaltung auch tatsächlich gewährleistet ist. Ebenso wird die Erstzertifizierung angekündigt. Wo ist also das Problem im Vorhinein Zahlen zu schönen? Egal ob bei der Nutzfläche oder der Zahl der Tiere.
Ein weiteres Beispiel, welches mir im Laufe der Suche zwischen die Finger kam ist die Haltung von Legehennen. So dürfen gemäß der EU-Verordnung lediglich zehn anstatt von 25 Hühnern pro Quadratmeter gehalten werden, um das EU-BIO-Siegel zu erhalten. Was immer noch eine Menge ist. Zeitgleich dürfen „nur“ bis zu 4‘000 Hühner pro Stall gehalten werden. Eine gängige Methode, um effizienter und wirtschaftlicher zu sein ist, dass man einfach mehrere Ställe aneinander reiht. Somit ist die Zahl um ein wesentliches höher. Jedem Huhn steht zugleich laut dieser Verordnung ein Auslauf von vier Quadratmetern pro Huhn zu. Punkt eins: wie mag man das gewährleisten? Zum anderen habe ich auch davon gelesen, dass wenn dieser Auslauf gewährt wird, die Hühner oftmals dermaßen verängstigt sind, dass sie sich lieber im Stall zusammenpferchen, was im Endeffekt zur konventionellen Haltung keinen Unterschied darstellt. So picken sich auch diese „BIO“-Hühner gegenseitig wund, das Gefieder aus und und und. Und sind damit ebenfalls krankheitsanfälliger.
Versagen der Politik. Das trifft es wohl am ehesten, denn eigentlich sollte jede Mahlzeit, für jeden Menschen gesund und ausgewogen sein. Ich schaue nur einmal auf die Aussage des österreichischen Bundeskanzlers Nehammer, der so wörtlich sagt: „[…] Wisst ihr, was die billigste warme Mahlzeit in Österreich ist? Sie ist nicht gesund, aber sie ist billig: Ein Hamburger bei McDonald’s. […]“ und er rechnet sogar noch vor: Der Hamburger koste 1,40 Euro, mit einer Pommes seien das dann 3,50 Euro. Was er nicht vorrechnet sind die Langzeitfolgen und die Kosten, die dem Gesundheitssystem durch diese Ernährung entstehen. Diese sind nicht unerheblich. Auch mit Blick auf Deutschland sehe ich ein ähnliches Problem. Wie soll sich bitte eine Familie, die auf Arbeitslosengeld II, also Hartz IV, angewiesen ist gesund, mit „Bio“-Produkten, ernähren. Diese Familien sind froh, wenn sie zur Tafel gehen können. Insofern es denn eine in der näheren Versorgungsstruktur gibt. Es ist ein Versagen der Regierung. Setzt man sich mal vor ein Fastfood-Restaurant kann man erschrecken, wie viele Familien dort ihr Frühstück, Mittag- oder Abendessen einnehmen. Die große, weltweit anzutreffende Kette mit „Mc“ am Anfang hat mit allem zu tun, jedoch sehr wenig bis gar nichts mit gesunder Ernährung! Bio? Ist vielleicht die Flasche Wasser, die man dort käuflich erhalten kann. Der Rest ist das komplette Gegenteil. Wen wundert es da, dass die Langzeitfolgen sich körperlich auf die verschiedensten Organe auswirken und die Wirtschaft durch die steigenden Ausgaben ebenfalls darunter leidet? Es ist auf ganzer Linie ein Versagen der Politik. Schlussendlich sorgt der Bio-Wahn und die Bio-Siegel ebenfalls für eine Zwei-Klassen-Gesellschaft und entscheidet, wer sich mit Bio-Produkten versorgen und ernähren kann, darf, und wer nicht.
Des Weiteren kritisiere ich persönlich die Unübersichtlichkeit. Es gibt unzählige Gütesiegel im Bereich Lebensmittel., welche dem Anschein nach gezielt für Verwirrung sorgen soll. Welcher Verbraucher soll da bitte den Durchblick behalten? Wenn man einmal die Begriffe „Gütesiegel“ und „Lebensmittel“ in einer Suchmaschine eingibt, wird man recht schnell fündig. Im selben Moment allerdings auch überfordert sein. Es hilft nur eines: sich damit zu beschäftigen und selbst herauszufinden, wo welche Tücken versteckt liegen. Wer weiß, welches Gütesiegel für was steht, was dahinter steckt, welche Anforderungen es gibt um dieses Gütesiegel führen zu dürfen? Dazu habe ich eine Onlineumfrage gemacht. Teilgenommen haben 583 Personen.
Frage eins: „Achten Sie beim Kauf von Lebensm auf Gütesiegel?“
431 Personen (73,93%) antworteten mit Ja
83 Personen (15,09%) antworteten mit Nein
69 Personen (11,84%) antworteten mit Manchmal
=> Fast ein Drittel der Befragten achten also beim Einkauf darauf, ob ein Siegel auf dem Produkt vorhanden ist, zu dem gegriffen wird oder nicht. Eine erhebliche Summe.
Frage zwei: „Kennen Sie alle Richtlinien zum Erlangen der jeweiligen Gütesiegel?“
43 Personen (7,38%) antworteten mit Ja
67 Personen (11,49%) antworteten mit teils
473 Personen (81,13%) antworteten mit nein
=> Zeitgleich zur vorherigen Frage weiß allerdings weit über ein Drittel nicht einmal komplett „Bescheid“, über genau Das, was die Siegel, auf die man das Augenmerk legt. Man schaut also nur auf das Siegel und vertraut diesem. So könnte man also im Umkehrschluss ein Lebensmittel auf den Markt bringen, ein ausschließlich erfundenes, fiktives, Gütesiegel auf das Produkt kleben und die Kunden hätten beim Kauf ein gutes Gefühl. Überspitzt: Ökologisch angebaute Winter-Avocado aus Nordsibirien. Mit einem grünen Häkchen und schon wäre es vom Kunden super angenommen.
Frage drei: „Wie wichtig ist Ihnen eine gesunde Ernährung?“
419 Personen (71,87%) antworteten mit sehr wichtig
164 Personen (28,13%) antworteten mit wichtig
0 Personen (0%) antworteten mit nicht wichtig
=> Dieses Ergebnis bedarf keinem großen Kommentar. Personen, die an dieser Umfrage teilnahmen kamen zum Großteil von einer Plattform und sozialen Medien, wo ich im Bereich der bewussten Ernährung dafür geworben hatte.
Frage vier: „Wo kaufen Sie primär ein?“
388 Personen (66,55%) antworteten mit Supermarkt
103 Personen. (17,67%) Antworteten mit Discounter
73 Personen (12,52%) antworteten mit Wochenmarkt
19 Personen (3,26%) antworteten mit direkt beim Bauern
=> Ein klein wenig verwundert mich dieses Ergebnis. Wobei ich auch nach „primär“ gefragt hatte. Dies bedeutet allerdings zugleich, dass auch Kunden, die mit Supermarkt, Discounter und Wochenmarkt durchaus beim lokalen Landwirt einkaufen. Andersherum genauso. Schließlich bekommt man auf dem Wochenmarkt nicht unbedingt das Stück Butter, Bier und Mineralwasser. Von daher ist diese Frage mehr als grober und sehr weit auslegungsfähiger Punkt zu betrachten.
Auch „Agroforst-info.de“ hat eine interessante Umfrage gemacht, vielmehr zwei, die ich an dieser Stelle gerne mit einbringen und erwähnen möchte.

An dieser lässt sich ablesen, welche Aspekte beim Einkauf von Lebensmittel für den Kunden von Relevanz sind. Es lässt sich klar ablesen, welche Relevanz das Gütesiegel für den Kunden hat. Dass das Produkt über ein Gütesiegel verfügt hat so mehr Relevanz und Gewichtung als Tierhaltung, Qualität und Preis. Es sollten nun bei jedem Endverbraucher die Alarmglocken angehen, wie sehr man sich von diesen Gütesiegeln beeinflussen, vielmehr manipulieren, lässt.
Früher habe ich als Koch, wenn ich Rezepte veröffentlicht habe beispielsweise auch explizit auf die Verwendung von BIO-Zitronen hingewiesen, wenn es um die Verwendung von Zitronenschale, geraspeltem oder gerieben, ging. Heute würde ich, nach der Recherche im Bereich Gütesiegel, eher auf ein gründliches Abwaschen und Abbürsten von normalen Zitronen mit heißem Wasser raten. Im Endeffekt kommt es auf‘s Gleiche raus.
Wo ich beispielsweise den „tollen“ Supermarkt-BIO-Fleisch Kritik beifügen muss: ein Bio-Rind muss wesentlich länger auf der Weide stehen, um den selben „Ertrag“ zu bringen. Studien haben gezeigt, dass Bio-Rinder somit fast die doppelte Menge an Abgasen ausstoßen, als konventionell gehaltene Rinder. Dies bedeutet, dass Bio-Rinder für die Umwelt wesentlich „schädlicher“ sind. Ebenfalls für alle Obstfreunde. Wer im März noch Äpfel aus der EU essen mag, sollte wissen, dass diese durchgehend gekühlt werden müssen. Die Erntezeit ist schließlich im Herbst von August bis Anfang / Mitte Oktober. Dieser Kühlprozess nimmt wesentlich mehr Energie in Anspruch, als Äpfel aus beispielsweise Südamerika einfliegen oder per Schiff nach Europa zu importieren. Da ist es stark fragwürdig, ob das Gütesiegel im Vorteil ist oder doch den Kürzeren zieht. Vielleicht sollte sich jeder einzelne Verbraucher wieder mehr an saisonale Produkte halten und so mehr für die Umwelt tun, als nur auf ein Siegel wert zu legen.
Auch eine Kritik an den Siegel : ich bin in einem kleinen Ort irgendwo im grünen Herzen, in der Mitte vom Deutschland aufgewachsen. Der örtliche Schlachter, beziehungsweise „Fleischer“, hatte kein Siegel. Ebenso wenig wie der örtliche Bäcker. Weil jeder wusste, wo das Fleisch oder Mehl herkommt. Es ging ohne. Gütesiegel sind erst mit der Expansion von Supermärkten entstanden. Konnten sich dadurch etablieren. Und zu einer Art „Marke“ werden. Auf dem Dorf hätte diese Strategie nie und nimmer Anhänger gefunden. Es ist ein bitterer Beigeschmack der Expansion und der Erweiterung des Im- und Exportes durch die Europäische Union.
Schon damals mussten leider viele Unternehmen „dran glauben“ und die Türen schließen. Doch noch 1990, waren die Zahlen im schwarzen Bereich. Während sich im Laufe der Zeit und mit dem ständigen Wachstum und Ausbreiten verschiedener Unternehmen, dazu zähle ich auch Supermärkte und Discounter, die wirtschaftliche Lage komplett gewendet hat. Die typischen kleinen Tante-Emma-Läden, wo jeder wusste, dass die Qualität in Ordnung ist, sind verdrängt und ausgerottet wurden. Hingegen haben die „Großen“ immer mehr Platz gemacht. Ist die Einführung der Gütesiegel nicht auch ein Eingeständnis von zwei Klassen Lebensmittel und indirekt auch ein Eingeständnis der Discounter und Supermärkte an sich selbst, dass man auch minderwertigere Produkte im Sortiment führt? Eigentlich sollten alle Produkte – auch ohne Gütesiegel – aus einer hochwertigen Produktion stammen.
Die Kosten für die Zertifizierung mit dem Bio-Siegel belaufen sich jährlich (laut meiner Recherchen), je nach Größe des Unternehmens und weiterer Kriterien, auf 250 bis 1‘500 Euro. Diese sind natürlich vom Landwirt selbst zu tragen und müssen auf das jeweilige Produkt aufgeschlagen werden, welches ohnehin schon teurer ist, auf Grund der höheren Kosten und Verlusten wegen der Vorgaben.

Zum Thema der Kosten bei einer Demeter-Zertifizierung habe ich im Internet folgende Angabe gefunden: „[…] Ein Mitglied bei Demeter Baden-Württemberg bezahlt insgesamt 0,6 % des Umsatzes sowie einen Flächenbeitrag, der von der Nutzung abhängig ist. So kann ein Gemüsebaubetrieb mit etwa 100 €/ha rechnen. […]“ Der älteste deutsche Anbauverband Deutschlands „Demeter e.V.“ besteht bereits seit dem Jahr 1924. (Demeter ist übrigens in der griechischen Mythologie Muttergöttin des griechisch-kleinasiatischen Raumes, die für die Fruchtbarkeit der Erde, des Ackerbaus, der Ernte, des Getreides und der Saat zuständig ist. Ein großer Name also.)Somit ist Demeter auch einer der Vereine, die sich einen flächendeckenden Namen gemacht hat. Und dennoch ist nicht alles Gold, was glänzt! Zum Beispiel wird auf den Ursprung und einige Hintergründe geschaut. Ich zitiere an dieser Stelle einmal die Seite „Utopia.de“, wo es heißt: „[…] Kritiker spotten häufig über die esoterisch-anthroposophische Ausrichtung des Demeter-Verbands und die Vorschriften zur Verwendung von „biodynamischen Präparaten“ („Heilmittel für die Erde“) wie beispielsweise mit Kuhfladen gefüllte Hörner, die ein halbes Jahr in der Erde vergraben werden müssen. […]“. Allerdings ist das nur einer der Punkte. Gräbt man tiefer und recherchiert man ein wenig mehr finden sich schnell Kretikpunkte hinsichtlich der Vergabe und Kontrollverfahren.
So kann man schnell erkennen, warum Bio-Produkte schnell teurer werden. Zum einen Einnahmeeinbußen und höhere Ausgaben. Rechnet man beides in den Preis ein, braucht man kein Wirtschaftsexperte sein, um schnell zu erkennen, dass dies auf den Verkaufspreis umgelegt werden MUSS um halbwegs wirtschaftlich effektiv zu bleiben. Keine roten Zahlen! Ein Landwirt ist mittlerweile nicht mehr nur der „Bauer“ von nebenan, er ist Unternehmer, Agrarwirt, Meteorologe, …

.
NUTZEN DER GÜTESIEGEL
Der Nutzen zeigt sich, was ich während meiner Recherchen ganz klar feststellen konnte und musste, ganz klar im wirtschaftlichen Bereich. Als „BIO“ zertifizierte Höfe und Unternehmen können ihre Produkte zu einem wesentlich höheren Preis vermarkten. Ebenfalls finden diese Produkte auf Grund der zunehmenden Wahrnehmung und Wertschätzung von BIO-Produkten beim Endkunden wesentlich mehr Zuspruch, Abnehmer. Immer mehr Menschen legen wert auf Siegel, auf die Hintergründe? Na ja.
.
VERÄNDERUNGEN?
Für wahrlich Veränderungen hat keines der Gütesiegel im Bereich Lebensmittel sorgen können. Schaut man sich die Vorgaben an, bleibt einem selbst überlassen, ob man eher lachend davon rennt oder sich heulend im der Ecke verkriecht. „EU-Öko-Verordnung“: für die Bezeichnung und Zertifizierung reicht es für ein Schwein den Platz von einem Quadratmeter auf eins Komma drei Quadratmeter zu erhöhen. Das bedeutet, jetzt muss man mal ein Blatt A4-Papier vor sich legen. Einem BIO-Schwein steht ein klein mehr als ein A4 Blatt zusätzlich im Gegensatz zu konventionell gehaltenen Schweinen zu. Ich sage nur: „Finde den Fehler“. Nur als ein Beispiel.
Ebenfalls der Fakt, dass laut dieser Verordnung Rinder nicht angebunden gehalten werden dürfen. Alles gut, schön und verständlich, doch, was niemand dabei weiß: damit die Kosten und Risiken minimiert werden, werden die Rinder gebrannt. Also die Hörner entfernt, damit die Gefahr der Verletzungen minimiert und der Gewinn hoch gehalten wird.
Mehr Tageslicht. Klar, mittels lichtdurchlässiger Platten im Stalldach.
Die EU gibt eine tolle Verordnung heraus, die im Endeffekt allerdings regelrecht um ein Umgehen dieser Regeln flieht.
Ebenso als Beispiel sind viele andere Punkte mehr als fragwürdig und absolute Auslegungssache. Welcher Teilnehmer der Zertifizierungskommissiom läuft schon mit dem Metermaß über‘s Feld und misst nach, ob die Hektarzahl der Anbaufläche dem entspricht, was die Politik sich fernab in Brüssel gerade ausdenkt?
Was sich in erster Linie durch die Lebensmittelgütesiegel verändert hat ist die Preisgestaltung. Das ist der wesentliche Punkt für die Tiere hat sich kaum etwas verändert. Bei Pflanzen mag es sein, dass diese mit anderen Stoffen behandelt werden. Ok. Und dennoch ein Landwirt kommt nicht ganz ohne Behandlung aus. Ich kann mich noch an meine Kindheit und Jugend erinnern, als wir selbst Kartoffeln anbauten. Jedes Jahr das selbe Spiel: „Kartoffelkäfer“ von den Blättern der Erdäpfel hinunter glauben und zerdrücken. Wie will dies ein Landwirt mit mehreren Hektar bewerkstelligen?
.
KONTROLLEN
Zu Kontrollen lässt sich nur schwer etwas finden. Wer spricht schon gerne darüber. Nur soviel, wie schon im Artikel über Lebensmittel erwähnt und zitiert:
{{{ Ulrike Müller, bayerische Politikerin und Mitglied des Europäischem Parlaments sagt dazu: „[…] Die europäischen Verordnungen zum Olivenöl sind vollkommene ausreichend. Problem ist die Häufigkeit der Kontrollen. [… ]“. }}}
… und genauso sieht es auch im Bereich der Gütesiegel aus. Es ist rein personell nicht möglich jeden Betrieb in unregelmäßigen Abständen zu kontrollieren.
.
AUSWIRKUNGEN AUF DIE WIRTSCHAFT (-LICHKEIT)
Wie bereits erwähnt, Gütesiegel sind im Bereich das Tuning der Preisgestaltung. Man kann den Preis um einen wesentlich höheren Prozentsatz ansetzen, als Produkte ohne Siegel. Allein dies sollte schon zu denken geben. Es ist ein wirtschaftlicher Aspekt, der sowohl für den Landwirt, allerdings auch für den Händler von Bedeutung ist. Dies zeigt sich alleine schon dadurch, dass Konzerne wie beispielsweise ALDI, also HOFER in Österreich, auf gewisse Produkte, eine ganze Produktreihe von NaturLand-Produkten fahren. Diese Schiene zieht sich weiter, sodass alle BIO-Produkte bei ALDI-Süd mit dem EU-BIO-Siegel versehen sind. Augenwäscherei vom Feinsten.
Auch muss man an dieser Stelle erwähnen, dass ein wesentliches finanzielles, wirtschaftliches Interesse bei den einzelnen Vergabestellen liegt. Zumal hat der Landwirt beziehungsweise das jeweilige Unternehmen selbst für die Zertifizierung und damit für das Siegel zu zahlen. Andersherum sind Demeter, Naturland, BioLand, privat geführte Prüfinstitutionen, die ebenfalls auf finanzielle Mittel angewiesen sind. Dies kann schnell zu Verstrickungen führen. Zwischen Landwirt und Prüfinstitution. Auch unter dem Aspekt, dass gerade diese „Privaten“ höhere Anforderungen stellen, als sie beispielsweise an das EU-Gütesiegel gestellt werden. Doch man sollte auch immer bedenken, dass auch dort Schwachstellen liegen können. Gibt es Kontrollen der Kontrolleure? Und wenn ja, man sagt ja im Volksmund so schön: „Eine Krähe, kratzt der anderen nicht das Auge aus.“.
Auch an dieser Stelle gab es einen großen, aufsichtserregenden Skandal. Dieser Fall wurde 2011 publik und zog sich weit über die Landesgrenzen Italiens hinaus. Im größten bis lang aufgedeckten Skandal rund um Bio-Gütesiegel haben mehrere Personen insgesamt 703‘000 Tonnen Lebensmittel mit einem BIO-Gütesiegel deklariert und diese anschließend europaweit auf den Markt gebracht. Dadurch haben sie im Zeitraum von 2007 bis 2010 Lebensmittel im Wert von etwa 220‘000 Millionen Euro hochwertiger und damit hochpreisiger verkauft. Auch verschiedene Unternehmen im deutschsprachigem Raum waren davon betroffen. Man sieht also, wo ein „Wille“ ist, ist auch ein Weg. Beziehungsweise ein Drucker und Bildbearbeitungsprogramm. Welch ein Wunder, zumal Bio- / Öko-deklarierte Artikel eine stetig steigende Abnehmerzahl findet. Bei diesen Produkten hat man schließlich ein Gefühl von Sicherheit gute Qualität zu erwerben, die zugleich unter umweltfreundlichen Umständen produziert wurden.
Ich habe in den letzten Tagen trotz meiner Situation, im Rollstuhl, keine Mühen gescheut und habe nur mal hier in Italien drei große Supermärkte besucht. Die drei größten Ketten sind hier SPAR, PAM und COOP. SPAR als auch PAM sind von der Qualität vergleichbar mit den deutschen Ketten REWE, tegut oder EDEKA. COOP liegt teilweise etwas darunter, ist dennoch kein Discounter und bietet immer noch eine mittlere bis gehobene Qualität. Dabei habe ich jeweils die Preise bestimmter konventioneller Produkte mit den Produkten aus dem Sektor Bio verglichen. Die prozentuellen Angaben stehen für die Mehrkosten bei Bio-Produkten im Gegensatz zu den gleichen Nicht-Bio-Produkten und beziehen sich jeweils auf den Preis pro Kilogramm.
Kartoffeln
SPAR – bio: + ~ 15%
PAM – bio: + 17,5%
COOP – bio: + 22 %
Zwiebeln
SPAR – bio: + 12,3%
PAM – bio: + 7%
COOP – bio: + 9,3%
Knoblauch
SPAR – bio: + 6,…%
PAM – bio: + 4,2%
COOP – bio: + 9,2%
Äpfel (Sorte: Granny Smith)
SPAR – bio: + 23,1%
PAM – bio: + 18,2%
COOP – bio: + 19,8%
Käse (Gouda)
SPAR – bio: + 31,9%
PAM – bio: + 39,8%
COOP – bio: + 36,4%
Käse (Parmesan)
SPAR – bio: + 41,3%
PAM – bio: + 42,9%
COOP – bio: + 29,2%
Schinken
SPAR – bio: + 19,2%
PAM -bio: + 24,9%
COOP – bio: + 26,2%
Pasta
SPAR – bio: + 31,9%
PAM – bio: + 19,2%
COOP – bio: + 23.6%
Reis
SPAR – bio: + 12,1%
PAM – bio: + 14,9%
COOP – bio: + 12,7%
Geflügelfilet
SPAR – bio: + 43,2%
PAM – bio: + 39,5%
COOP – bio: + 44,2%
Rinderfilet
SPAR – bio: + 34,1%
PAM – bio: + 39,8%
COOP – bio: + 29,5%
Lachs
SPAR – bio: + 51,2%
PAM – bio: + 43,7%
COOP – bio: + 44,4%
Orangensaft
SPAR – bio: + 12,5%
PAM – bio: + 18,6%
COOP – bio: + 21,2%
Apfelsaft
SPAR – bio: + 14,8%
PAM – bio: + 16,9%
COOP – bio: + 21,2%
Weißwein
SPAR – bio: + ~ 23,4%
PAM – bio: + ~ 21,9%
COOP – bio: + ~35,1%
Rotwein
SPAR – bio: + ~ 28,2%
PAM – bio: + ~ 26,7%
COOP – bio: + ~ 31,4%
Man kann also, je nach Produkt, einen wesentlichen Preisunterschied feststellen. Ob dieser jeweils in Hinsicht auf die Qualität auch gerechtfertigt sein mag, lasse ich mal so im Raum stehen.
.
RESÜMEE
Glaube keinem Gütesiegel, welches du nicht selbst gedruckt hast. Um einen Überblick zu bekommen muss man sich selbst hinsetzen und lesen, Videobeiträge schauen, … . Es ist ein schier unendliches Thema.
Wer wirklich gesunde BIO-Lebensmittel auf dem Teller haben will, dem kann man nur dazu raten direkt beim Bauern vor Ort einzukaufen. Der klebt zwar kein Bio-Siegel auf das Stück Fleisch oder die Erdäpfel, dafür ist das Stück Fleisch, …, dafür ist es wirklich Bio.
Auch wenn viele bei Wildfleisch und Jagd sagen: „das arme Bambi“, im Endeffekt ist es das beste Fleisch, was man nur erwerben kann und zugleich mit bestem Gewissen essen darf. Das „arme“ Bambi hatte im Gegensatz zum Zuchttier ein freies Leben in der artgerecht Umgebung. Zeitgleich ist es ohne Stress getötet wurden. Kein Transport zum Schlachthof oder ähnliches. Das Fleisch wurde ebenfalls untersucht, entspricht also bester Qualität. Was will man mehr? Es ist lediglich die Psychologie, die hier mit schwingt und die die Menschen zum „ohhhhh das arme Bambi“ bringt. Wer als Kind den Sandmann im Fernseher gesehen hat, sagt beim Schwein‘s-Braten doch auch nicht: „ohhhh armes Frederick oder Piggeldy“.