Ich habe mich in den vergangenen Wochen ausführlich mit dem Thema Olivenöl beschäftigt. Vielmehr mit dem Thema Olivenölpantscherei. Viel Recherchearbeit. Unendliche Suchen. Emails. Einige Telefonate. Wo lässt sich schließlich mehr darüber erfahren, als hier in Italien? Im Land, wo das Olivenöl nicht weg zu denken und ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor ist.

Nur nebenbei erwähnt: meine Recherchen begannen letztes Jahr (also 2023) Anfang November, als ich am späten Abend bis nachts immer wieder Lieferungen an ein Restaurant in Venice, Venedig, beobachtete. Mich machte eine Sache mit meinem journalistischem Gespür hellhörig. Das besagte Restaurant hat kaum mehr als eine Handvoll Gäste, dafür täglich vier bis sechs Angestellte und täglich kommen nachts Lieferungen mit der Aufschrift, zu deutsch: „Olivenöl der Region“, warum nie, wie gewöhnlich am Tag? An diesem Punkt wurde ich hellhörig und wollte wissen, was dahinter steckt, zumal es keine geringen Mengen waren.
Auch wenn, dies sollte man wissen, Italien iweltweit nur an Platz drei der Produzenten steht, hinter Spanien und Tunesien. So war meine „Arbeit“ rund um dieses Thema gleich aus zwei Aspekten für mich interessant. Einerseits als Koch. Andererseits mit dem wirtschaftlichen Aspekt. Italien hat beispielsweise im Jahre 2022 rund 45‘000 Tonnen Olivenöl nach Deutschland exportiert. Was zugleich bei 87‘670‘000 Deutschen (Stand 2023) einen minimalen Bruchteil pro Kopf anbelangt. Gleich vorneweg, was ich erfahren habe, hat mich teils schwer erschrocken und schockiert. Aber Step by Step.
Der erste große Skandal rund um Olivenöl flog allerdings nicht in Italien, sondern in Spanien auf, als im Jahr 1981 eine Verbindung von Zwischenhändlern und Händlern aufflog, die rund 750‘000 Liter denaturiertes Rapsöl (also in seinem eigentlichen Charakter oder Geschmack verändert), welches eigentlich für die Industrie bestimmt war, als Olivenöl deklariert in den Umlauf brachten. Dies ist der bisher größte Skandal der Geschichte.

Meine Recherchen konzentrierten sich allerdings auf Italien. Um genauer zu werden: auf die Toscana und den Süden Italiens. Dort, wo die ursprünglichen und typischen Anbaugebiete der Oliven sind. Man sollte wissen, dass das beste Olivenöl wohl in der Toscana zu finden ist. Schließlich ist diese Anbauregion zeitgleich die Einzige in ganz Italien mit der Geschützen geografischen Herkunftsbezeichnung „g.g.A.“. Ich habe viele Berichte gelesen und gestöbert. Um ganz ehrlich zu sein ist dies nicht ganz einfach und ohne die Thematik dramatisieren zu wollen: kramt man in der italienischen Wirtschaft herum, kommt man an der Mafia nicht vorbei. Ich wollte alles wissen und bin ein ganzes Stück schlauer geworden. Auch, was die Produktion des edlen Öls anbelangt. Dennoch, Italien ist nicht das einzige Anbaugebiet und Produktionsland von Olivenöl, dies vorneweg.
Dass Olivenöl gepantscht wird ist nicht erst seit gestern bekannt. Diese kriminellen Machenschaft gibt es seit Jahrzehnten. Ebenso wie die Pantscherei mit Wein (beispielsweise der Methanol-Skandal Mitte der 90’er Jahre). Früher waren es andere Methoden. Doppelmahlung mit Wasser“, nur als ein Beispiel. Dazu wurden bereits gemahlene Oliven ein zweites Mal unter Zugabe von Wasser gemahlen, was die Gewinnspanne natürlich erhöhte, die Qualität zeitgleich allerdings auch wesentlich hinab setzte. Über die Olivenölpantscherei wurde auch schon einige Male in den vergangenen Jahren berichtet. Auch in deutschsprachigen Medien. Verschiedene Skandale, bei denen einige Unternehmen aufgeflogen sind und geschlossen wurden. Doch warum wird gepantscht?
Es ist schlussendlich eine finanzielle Frage. Durch das Pantschen wird wesentlich mehr Gewinn erzielt. Man kann das Olivenöl günstiger anbieten und dadurch natürlich auch zeitgleich mehr Kunden gewinnen. Man darf nicht außer Acht lassen, dass zur Gewinnung von einem Liter Olivenöl in etwa zehn Kilogramm Oliven (je nach Größe) erforderlich sind. Das ist eine Menge. Man muss sich nur einmal vor Augen führen, wieviel Gramm Oliven in einem handelsüblichen Glas Oliven aus dem Supermarkt sind. Dies sind im Durchschnitt 370 Gramm. Das wiederum bedeutet im Umkehrschluss, dass man in etwa 27 Gläser bräuchte um nur einen einzigen Liter Olivenöl herzustellen.
Nun sollte man wissen, dass es für den Bauern nicht ganz einfach ist. Ein Kilogramm Oliven kosten dem Bauern bis zur Ernte über fünf Euro. Abhängig von der Größe der Plantage. Des Weiteren dauert es sieben Jahre bis zur ersten Ernte. Also eine Zeit des Stillstandes, in der der Baum allerdings gepflegt werden muss, ohne in dieser Periode auch nur einen müden Cent daran zu verdienen. Dies muss der jeweilige Olivenbauer auch kalkulieren. Somit sind die Kosten nicht unbeträchtlich. Was sich schlussendlich unweigerlich im Preis widerspiegelt.
Doch wenn die Oliven geerntet sind, ist es ja nicht gleich auch Öl. Die Oliven werden meist über Kooperativen an Mühlen, in denen die Oliven mit Stein (also Kern) gemahlen werden, vermarktet. Auch die Kooperativen und Mühlen wollen Geld verdienen. Die Kosten hierfür sind sehr unterschiedlich. Ebenfalls stark abhängig von der Menge und schwanken jährlich. So ist für den Bauern eine gute, ertragreiche Ernte von oberster Priorität und überlebensnotwendig.
Schlussendlich muss das Olivenöl auch noch abgefüllt werden. Auch der Abfüller will, vielmehr muss, an dem Produkt verdienen. Und zwischen jedem einzelnen Schritt liegt im Endeffekt auch noch ein entsprechender Tramsportweg, was bedeutet, dass auch die Transporteure verdienen wollen. Ein nicht zu unterschätzender finanzieller Faktor. Eine kostenintensive Produktion, wie man schnell feststellt. Dies macht sich auch im Preis des Endproduktes bemerkbar. Allerdings wäre kaum ein Endverbraucher bereit diesen Preis für einen Liter Olivenöl zu bezahlen. Zeitgleich ist es für die Produzenten natürlich attraktiv und reizvoll das Öl zu „pantschen“ und dies beispielsweise mit sogenanntem Lampantöl zu strecken. Dieses Lampantöl dürfte eigentlich nicht verkauft, nicht in den Umlauf gebracht werden. Es handelt sich um minderwertiges Öl, beispielsweise aus ranzig gewonnen Früchten. Der Name stammt übrigens daher, weil es früher als Lampenöl genutzt wurde. Das sagt eigentlich alles aus. Gesundheitsschädlich ist es zwar nicht, dennoch wäre der Handel mit diesem eigentlich verboten. Der Geruch und Geschmack wird allerdings ganz praktisch und einfach mit gutem Olivenöl übertönt. Fertig ist die gepanschte Billigbrühe, die zu einem hochwertigerem Produkt verwandelt wurde. Als würde man auf die Motorhaube eines Fiat 500 einfach einen Mercedesstern kleben und den Fiat als Mercedes verkaufen.
Die Kontakte, welche ich aufgebaut habe, haben allesamt berichtet, dass die Pantscherei genau hier, beim Abfüllen, geschieht und dies auf Anweisung der Geschäftsführung. Allerdings wird laut diesen Kontakten stark unterschieden, so wird nicht bei allen Produkten gepanscht, sondern nur bei einzelnen Produkten, einzelner Abnehmer um diesen einen wesentlich niedrigeren, man könnte von Dumping-, Preis anbieten zu können.
Allerdings wird nicht nur Lampantöl zum Pantschen verwendet, sondern beispielsweise auch Olivenöl aus Tunesien, welches nicht einmal zehn Prozent von dem kostet, was ein Liter italienischen Olivenöls kostet.
Eine weitere gern genutzte Methode ist das einfach einfärben von billigem Sonnenblumenöl. Dadurch lässt sich natürlich auch Profit machen. Sonnenblumenöl ist um ein Vielfaches günstiger in der Produktion, als Olivenöl. Man bedenke allein den Ertrag eines Feldes mit Sonnenblumen im Gegensatz zur selben Fläche mit Olivenbäumen. Ein Olivenbaum bring abhängig von Alter und Standort lediglich einen Ertrag von bis zu maximal 30 Kilogramm. Sonnenblumen sind dazu wesentlich pflegeleichter und bringen den Ertrag schon im ersten Jahr, wesentlich günstiger. Laut ADAC kostet ein Liter Sonnenblumenöl in Italien durchschnittlich 1,74 Euro, nicht einmal die Hälfte – IM VERKAUF -, von der Produzent für einen Liter Olivenöl verlangt. Also kein Wunder, dass gerne gefärbt wird. Diese Methode lässt sich im Labor recht schnell analysieren, weil die Zusammensetzung der Öle wesentliche Unterschiede hat. Es gibt allerdings auch andere Öle, die gerne zum Pantschen verwendet werden, weil deren chemische Grundstruktur der von Olivenöl wesentlich näher kommt. Dazu gehören etwa Wallnuss oder Distelöl. Nur am Rande sei anzumerken, dass 99,9 Prozent der im Supermarkt erhältlichen, vermeintlichen schwarzen Oliven übrigens auch lediglich eingefärbte grüne Oliven sind. Ebenfalls ein auf die Menge gerechnetes Milliardengeschäft.
Auch in diesem Bereich habe ich Kontakte, über Umwege, gefunden. In Italien läuft halt alles über ein paar „Beziehungen“. Laut deren Aussagen gibt es extra dafür ausgelegte Fabriken, die zwar als Fabrik, beziehungsweise Abfüller, für Olivenöl geführt werden, allerdings nichts anderes machen, als Sonnenblumenöl einzufärben, abzufüllen und als Olivenöl zu etikettieren. Diese Kontakte habe ich primär im südlichen Italien ausfindig machen können. In der Toscana tatsächlich nicht. Schenkt man diesen Kontakten Glauben, werden in diesen Fabriken täglich mehrere Tonnen Sonnenblumenöl zu hochwertigem Olivenöl. So wie in der Bibel, wo Jesus aus Wasser Wein macht (Bibel, Joh 2.1 – 12), machen diese „Unternehmen“ aus Sonnenblumenöl Olivenöl. Nur das Geschäft, dies muss ich anmerken ist alles andere als biblisch. Täglich wird auf diese Art und Weise ein sechsstelliger Betrag generiert, wohl wissend, dass es sich um minderwertige und vom Olivenöl weit entfernte Ware handelt. Eiskalt. Das einzige, was zählt ist hier Profit. Geld. Geld, welches teilweise über diese Art und Weise „gewaschen“ wird. Da investiert die Mafia doch gerne den Einen oder Anderen Euro. Auch zu Gunsten der lokalen Politik und deren (Aufsichts-) Behörden. Mir berichtete ein Kontakt, dass es wöchentlich, gelegentlich monatlich „Geschenkkörbe“ der besonderen Art für die lokalen Politiker gibt. Dies würde man wie unumgängliche Nebenkosten, Spesen, sehen, um das Geschäft am Laufen zu halten. Dabei reichten meine Recherchen bis ins tiefste Calabria, also Kalabrien, wo es unzählige kleinere „Manufakturen“ gibt. In Calabria werden zwar gute Olivenöle hergestellt, allerdings für den regionalen Markt. Ich habe erfahren, dass fast täglich Schiffe ankommen, die billiges Öl und sogar Sonnenblumenöl aus dem südlichen Mittelmeerbereich anliefern, welche dann dort zu „Olivenöl“ werden. Mir berichtete ein Kontakt: „[…] beobachte mal die Tankfahrzeuge und verfolge sie. Sie kommen bei uns an. [….]“.
Dies erzeugt für die Pantscher einen Gewinn, der mit dem Kokainhandel vergleichbar ist. Und tatsächlich gräbt man hier in Italien etwas tiefer in der Materie finden sich tatsächlich schnell Verbindungen und Namen, die auch im Bezug auf verschiedene Familien der Mafia zurückzuführen sind. Es sind allerdings auch zum Teil einfach die „Kleinen“, die mehr Profit machen wollen. Die Hersteller, im Endeffekt Mühlen und Abfüller des flüssigen Gold Italiens. Schließlich verlangt ein Abfüller im Durchschnitt sieben Euro pro Liter. Dies hat zur Folge, dass wenn man Pantscht die Gewinnspanne natürlich steigt. Und wo man die Gewinnspanne nochmals vergrößern kann ist ein gefälschtes Bio-Zertifikat beziehungsweise BIO-Siegel. Billiges Lampantöl oder gepantschtes Olivenöl mit einem BIO-Siegel zu deklarieren ist einfach und gewinnbringender.
Allerdings gibt es einen weiteren gewinnbringenden Trick hinsichtlich der Deklarierung. So laufen italienische Abfüller Olivenöl in Griechenland auf, wo es günstiger ist, füllen es in Italien ab und verkaufen es deklariert als italienisches Olivenöl. Italien hat laut Angaben des italienischen Amtes welches für Import und Export zuständig ist im Jahr 2022 insgesamt fast 540‘000 Tonnen Olivenöl aus anderen Ländern aufgekauft. So findet man bei Recherchen folgende Zahlen: 338‘000 Tonnen aus Spanien, 112‘000 Tonnen aus Griechenland, 50‘000 Tonnen aus Tunesien und 38‘000 Tonnen aus Portugal. Dies wirft Fragen auf und gibt zugleich Klarheit. Es wird definitiv nicht-italienisches Olivenöl abgefüllt, entweder falsch deklariert oder damit gepanscht. Interessant wird es, wenn man sich einmal ausmalt, dass Olivenöl aus Fremdländern aufgekauft wird, dieses vermanscht wird und zusätzlich als italienisches Olivenöl deklariert wird.
Zusätzlich gibt es noch die Verfälschung durch die fälschlicherweise angebrachte Deklarierung als „extra vergine“, also Olivenöl „natives extra“, was die oberste Güteklasse bei Olivenöl darstellt.
Bei meinen Recherchen bin ich sogar darauf gestoßen, dass billiges, für den Verkauf nicht zugelassenes Olivenöl in der Vergangenheit sogar als extra vergine deklariert und in den Handel gebracht wurde. Die Dreistigkeit und Habgier der Panscher kennt einfach keine Grenzen.
Ulrike Müller, bayerische Politikerin und Mitglied des Europäischem Parlaments sagt dazu: „[…] Die europäischen Verordnungen zum Olivenöl sind vollkommene ausreichend. Problem ist die Häufigkeit der Kontrollen. [… ]“. Eine klare Aussage! Die Aussage trägt eine klare Botschaft mit und in sich: die Anforderungen und die Gesetzeslage ist im Gegensatz zu deren Kontrolle ausreichend. Also müssten lediglich mehr Kontrollen durchgeführt werden. Später mehr dazu.


Wer ist bereit diesen im wahrsten Sinne des Wortes unverfälschten Preis zu bezahlen? In Supermärkten nördlich von Italien findet man die Flasche Olivenöl im Discounter für um die zwei Euro für 250 Milliliter. Das sind acht Euro für einen Liter. Dabei sollte man im Endeffekt auch noch beachten, dass an dieser Stelle noch der Transport zum Discounter hinzukommt, Kosten, die für den Supermarkt anfallen. Etwa Lager- sowie Verkaufsfläche und Löhne für das Personal. Wer ein gutes Olivenöl sucht und einen Preis pro Liter von unter 15 bis 20 Euro sieht kann sich gewiss sein, dass es sich dabei um minderwertiges bis gepantschtes Olivenöl, wenn überhaupt, handelt. Sabina Petrucci (Oliven-Bäuerin, 30 Kilometer nördlich von Rom) sagt in einem Interview gegenüber den „Südtirol News“ : „[…] Ein Liter reines Olivenöl kann nicht unter 13 bis 14 Euro verkauft werden. […]“. (Artikel erschienen am 21. Dezember 2023 unter dem Titel: „Olivenbauern in Italien geraten in Bedrängnis“). Weiterhin berichtet die 28-jährige, die mit ihrer Familie 75 Hektar mit Olivenbäumen bewirtschaftet davon, dass der Klimawandel ein großes Problem sei. In den Jahren zuvor hatte man mit der Dürre zu kämpfen, 2023 seien es wiederum die starken Regenfälle gewesen, die zum Verhängnis geworden sind und sich Oliven teilweise erst gar nicht gebildet hätte . Dies würde rein logisch bedeuten, dass der Preis für Olivenöl stark steigen müsste. Ist er allerdings nicht. Weder im deutschsprachigem Raum, noch hier in Italien. Die Exportmenge ist dennoch permanent. Wo kommt also das „Original“ italienische Olivenöl her? Wohl kaum aus dem 3D-Drucker. Wobei man zeitgleich auch anmerken muss, dass der Preis nicht unbedingt ein Indiz für die Qualität sein muss. Genauso wie der Aufdruck „Made in Italy“. Beides sind vage Anhaltspunkte, jedoch keine endgültige Garantie für Qualität. Wieder mein geliebtes Beispiel, wenn ich auf den Fiat 500 einen Mercedesstern aufklebe und ihn für 150 tausend Euro als S-Klasse mit Sonderausstattung anbiete, ist der Fiat noch längst keine S-Klasse.

Was mir zu bedenken gibt: man ist einerseits bereit für ein Glas Oliven für den Salat drei Euro zu bezahlen, das Öl für den Salat muss allerdings so billig wie möglich sein. Eine Ambivalente und Logik, die ich nicht nachvollziehen kann. Zumal man das Olivenöl ja nicht wie Wasser nutzt. Was für mich als Koch, während der Ausbildung, sehr schnell klar wurde, dass Olivenöl ein Genussmittel ist, an dem man nie sparen darf. Und wenn ich bei dem Erdapfel etwas spare ok, nur beim Olivenöl habe ich persönlich nie gespart und jeden Tropfen zeitgleich versucht aufzufangen, bevor er verloren geht.
Mal rein nach Fakten gegangen. Die Zahlen stammen aus dem Wirtschaftsjahr 2022. Italien hat selbst 315‘000 Tonnen Olivenöl produziert. Ein Kilogramm Olivenöl entspricht in etwa 910 Gramm. Dies bedeutet, dass Italien 2022 in etwa 286‘650 Liter Olivenöl produziert hat. Im selben Zeitraum wurden allerdings 539‘000 Tonnen importiert. Was bedeutet, dass der Import den Export überschreitet. Kein Wunder die Kosten für einen Liter Olivenöl belaufen sich laut Recherchen in Tunesien auf etwa 30 Cent, in Griechenland auf etwa 55 Cent. In Italien auf schlappe rund sechs Euro. Wie soll es dann also möglich sein, wenn selbst Italien als Produzent Olivenöl importiert, dass man im deutschsprachigem Raum reines italienisches Olivenöl in die Hände bekommt? Es ist abgefüllt in Italien, jedoch hingen die verarbeiteten Oliven nie an einem italienischen Baum.
Schaut man in die Berichte und Statistiken des „International Trade Centre“ – „Trademap“, so wird man schnell die folgende Aussage finden: „[…] Italien ist der größte Importeure von Olivenöl weltweit […]“. Liest man ein wenig weiter findet man in der selben Quelle allerdings als Kontroverse auch die Aussage: „[…] Italien ist der größte Exporteure von Olivenöl weltweit […]“. Wie kann dies bitte zusammen passen? Es sollte an dieser Stelle schon fraglich machen.
Nun nutzen und verbrauchen ja auch Italiener gerne Olivenöl und dies nicht zu wenig. Laut „Ministero dell‘ agricoltura“ belief sich der Umfang dabei auf 620‘000 Tonnen nativen Olivenöls. Jetzt Adam Riese ins spiel. Der Import plus Eigenproduktion belaufen sich auf 854.800 Tonnen, während der Eigenkonsum plus Export bei 944‘000 Tonnen liegt. Dies bedeutet es gibt ein Defizit, welches sich auf sage und schreibe 89‘200 Tonnen beläuft. Dieses Defizit kann nur durch Pantscherei, strecken und die Verwendung anderer Öle ausgeglichen werden. Schlussendlich werden in Italien jährlich 142‘200 Tonnen Sonnenblumenöl (Quelle: atlasbig.com) produziert.
So hat Italien 315‘000 Tonnen Olivenöl produziert, zeitgleich 142‘000 Tonnen Sonnenblumenöl. Das ist fast die Hälfte. Ein Schelm wer böses denkt. Die Zahlen schreien ja schon nach Panscherei.

Olivenölpantscherei und die Ordnungsbehörden. Dies ist tatsächlich auch ein Thema für sich. Wenn man von Skandalen liest und Razzien, beispielsweise durch die Carabineri, dann handelt es sich schlechthin um klare Einzelfälle. Die Pantscherei ist den Behörden wohl bekannt, man muss allerdings wissen, dass die mafiöse Olivenöl-Lobby, die teilweise tatsächlich zur Mafia gehört, einfach zu groß, stark und mächtig ist. So hat auch diese „Lobby“ einen, nicht zu missachtenden und unterschätzenden, Einfluss in die Politik und umgedreht. Die Politik hat auch Interesse an einem guten Geschäft, schließlich sind dies Einrahmen für den Staat, die dringend notwendig sind. Hierzu möchte ich einen Artikel der Schweizer Homepage „vergani.ch“ zitieren, wo es heißt: „[…] Schon damals wurde ich von den NAS (Antifälschungspolizei) in Florenz angehört. Als die Beamten meine Unterlagen sahen – unter anderem das vernichtende, sensorische Urteil eines staatlichen Panels – waren sie überrascht und sprachen spontan von Grossrazzia. […]“, weiter heißt es in diesem Artikel: „[…] Doch geschehen ist nichts. Die Ermittler hatten offenbar doch keine Lust, sich mit der mächtigen, italienischen Öl-Lobby anzulegen. […]“. Ein Zeichen, wie mächtig der Einfluss ist. Man könnte auch sagen: „Hunde die bellen, beißen nicht.“ … die Behörden scheinen teils sehr manipuliert und die Politik von einflussreichen Lobbyisten unterwandert zu sein. Andererseits scheint es, als seien die Behörden machtlos. Es mag wohl eine Mischung aus beidem Faktoren zu sein, wobei ich ersterem Ansatzpunkt den größeren Wert zugestehe. Italien hat im Jahr 2022 Lebensmittel im Wert von 28,5 Milliarden Euro exportiert. Welchen Teil davon Olivenöl ausmacht konnte ich aus den mir vorliegenden Statistiken nicht herauslesen. Dennoch dürfte es einen erheblichen Teil einnehmen und somit für die Wirtschaft und damit verbunden auch für die Mafia ein exorbitant wichtiges Handelsgut sein. Und überall, wo Steuereinnahmen möglich sind, drückt jeder Staat gerne auch mal ein oder auch beide Augen zu.
Eingangs hatte ich erwähnt, dass man, wenn man im Bereich Wirtschaft hier in Italien Recherchen betreibt an der Mafia nicht vorbei kommt. Doch warum dies? Recht einfache Erklärung: Das, was man noch in den 80‘ern und 90‘ern als Mafia sah und beschrieb ist heute nicht mehr Realität. Auch das Bild der Mafia hat sich wesentlich geändert. Sie sorgt für medizinische Grundversorgung. Baut Krankenhäuser und Pflegeheime. Oder im Bildungssektor in sozialschwachen Regionen auch Schulen. Schafft Arbeitsplätze. So hat sich auch das Bild der Mafia grundlegend gewandelt. Ja, es sind kriminelle Machenschaften, die hinter den Familien stehen, zeitgleich ist nicht alles mit Gewalt verbunden. Wer heute noch glaubt, dass jeder „Mafiosi“ mit der Beretta im Gürtelbund durch die Gegend läuft, der sucht auch irgendwo in Panama Peter Pan. Für die Mafia ist Olivenöl deshalb so interessant, weil man damit ein teils seriöses Bild aufbauen kann und sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnt. Die organisierte Kriminalität der Mafia hat sich somit dahin gehend verlagert oder man könnte auch sagen, dass sie sich teils darauf spezialisiert hat gefälschtes und gepantschtes Olivenöl in den Umlauf zu bringen, um durch diesen Weg Geld in den Fabriken und „Abfüllstationen“ einerseits zu waschen, andererseits um Geld zu generieren. Ich hatte dazu mit einem Mann Kontakt, der in diesem System, unweit zum Übergang nach Sizilien, einen nicht zu unterschätzenden Einfluss hat. Es handelt sich laut seinen Angaben (und meine Recherchen – auch bei lokalen Behörden – bestätigten dies) um ein jährliches Geschäft im Millionen- teilweise Milliardenbereich. Also nicht ganz ohne. Die Arbeit der Mafia wird an dieser Stelle einfach gemacht. Denn auf Grund der Witterungsverhältnisse der letzten Jahre mit Ernteausfällen und weiteren Negativeinflüssen sinken die Angebote und Lieferkapazitäten der „normalen“ und seriösen Händler. Wobei die Nachfrage konstant bleibt. Dadurch bedingt wird die Arbeit für die Mafia einfach und der Umsatz um ein wesentliches erhöht. Mein Kontakt berichtet weiter, dass man zur lokalen Politik einen, so wörtlich: „guten Kontakt Pflege, um die Wirtschaft der Region aufrecht zu erhalten“. Mafia bedeutet also bei Weitem nicht mehr nur der schwarze Mercedes S-Klasse fährt vor und fordert Schutzgeld. Die Mafia agiert vielmehr als Art Wirtsunternehmen und konkurriert mit Mitbewerbern fast auf Augenhöhe, wenn nicht sogar darüber. Mein Kontakt aus Kreisen der Mafia, kann heute übrigens nicht mehr in seinem Geburtsort leben. Nicht ohne Grund, denn er hat sich öffentlich dagegen gestellt. Gegen ein Netz und System von Lebensmittelfälschern. Über acht Wochen hat es gedauert, diesen ehemals „Großen“ einer solchen „Pantscherei-Manufaktur“ nähere Fragen stellen zu dürfen. Was wiederum zeigt, wie groß die Angst und zugleich der Druck und Einfluss der Politik sowie Olivenöl-Lobby in Wahrheit ist.
Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass ich während meiner Recherche zum Thema Pantscherei mit Olivenöl nicht nur nette Kontakte hatte. Mir wurde teilweise gedroht und indirekt mitgeteilt, dass es besser sei, die Finger von diesem Thema zu lassen. Ich habe für mich selbst entschieden, dass ich alt genug bin und sehr genau weiß, was gut für mich ist und was nicht

Keine 24 Stunden nach Veröffentlichung des Beitrages gibt es einen Nachtrag, daher nutze ich keinen neuen Beitrag, sondern ergänze. Heute Morgen habe ich eine eMail aus dem Süden Italiens bekommen, unweit zu Sizilien. Ein Kontakt, der in der Olivenölbranche tätig ist berichtet mir darin vieles über for Pantscherei, das wichtigste beziehungsweise interessanteste jedoch ist die Tatsache, dass er von einer Anreicherung mit Wasser, welches mit einer so wörtlich „geleeartigen“ Substanz vermengt wurde, dem Olivenöl bei der Abfüllung beigemengt wird. Ich kann mir aktuell noch nicht genau erklären, was er mit „geleeartig“ meint oder um welche Substanz es sich dabei handelt. Dennoch eine interessante Information. Bei der es zugleich gilt „dran zu bleiben“. [Nachtrag vom 18. Jänner ‘24 Ende]
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Nachtrag vom 25. Jänner ‘24:
Seit einigen Wochen stehe ich über einen Kontakt, den ich wiederum über einen Kontakt erhalten habe im Kontakt. Stets kurz angebunden und bislang wollte er sich nicht tiefer gehend zu der Thematik äußern. Anscheinend ist das Eis gebrochen und er hat gemerkt, dass ich ihm nicht auf den Kragen rücken will, sondern lediglich berichten mag. So erhielt ich gestern Abend die Information, dass es etwa 30 bis 40 Kilometer südlich von Rom einen nicht unbeträchtlichen Umschlagplatz gibt, eine Fabrik, wo Olivenöl produziert wird. Es soll sich dabei um ein leicht abgelegenes Anwesen handeln, wo Olivenöl (ohnehin mindere Qualität nach seinen Äußerungen) mit Lampantöl gepantscht und abgefüllt wird. Allerdings, jetzt könnte man fast sagen: Gott sei Dank, „nur“ als natives Olivenöl deklariert wird. Wo diese Fabrik ist, wollte er mir jedoch nicht mitteilen. Noch nicht. Was mich etwas weniger verwundert oder erschrocken hat, war die Aussage, dass die Olivenölpantscher und damit die Mafia einen engen Kontakt zu von Italienern geführten Restaurants im deutschsprachigem Raum pflegt. Dieser Fakt war eigentlich für mich von Beginn an klar.
Mein Fazit zum Schluss: wer Olivenöl im Discounter in Deutschland, Österreich oder der Schweiz kauft, es muss nicht das teure „italienische“ sein. Ich würde dann eher zu einem hochwertigem Produkt aus Griechenland greifen. Hat man die Chance direkt in Italien Olivenöl zu kaufen, beim Produzenten, sieht die Sache schon wieder anders aus. Dazu sollte man sich im Vorhinein gut informieren. Es gibt einige lokale Mühlen. Wer solch eine findet: direkt mit lebenmittelgeeigneten Kanistern direkt dort hinfahren und diese abfüllen lassen. Selbiges gilt in Italien übrigens auch für Wein. Wer hier die Möglichkeit hat, fährt mit der Vespa und Kanister direkt zum Produzenten. Zum Einen ist der Preis unschlagbar, zum Anderen die Qualität und man baut bei einem Kaffee, „un Café“, Freundschaften auf und genießt das Leben für einen Augenblick.
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WICHTIG: Einige Antworten stehen womöglich noch aus. Sollte ich noch Antworten erhalten, die in diesem Bezug relevant sind, werde ich einen weiteren Artikel zu diesem Thema erstellen.