Als kleiner Nachtrag zu meinem Beitrag über die „Woche der Pleiten“.
Heute gab einer der österreichische Ex-SPD-Kanzler und nach seiner Amtszeit hochgradig bezahlte Berater und Aufsichtsratschef Alfred Gusenbauer sich im ORF Ö1 einem Interview gestellt. Nachdem in der letzten Woche gleich zwei große europäische Konzerne Insolvenz angemeldet hatten und schon im vergangenen Jahr die österreichische Kette KiKa/Leiner, die zu Signa gehörte die Türen schließen musste sieht Gusenbauer die Schuld dafür nicht in falschen Beratungen sondern im Gegenteil. Richtig, er begründet dies auch mit der Corona-Krise. Verständlich, zumal die KiKa/Leiner-Filialen in dem Zeitraum ebenfalls geschlossen bleiben mussten. Und wo ich ihm ebenfalls beipflichte, dass ein Grund sei, dass ein Immobilienunternehmen zeitgleich in den Handel einsteigt. Mit KiKa/Leiner sowie Signa Sports. Wo Signa seiner Aussage und seines Wissens nach so wörtlich „800 Millionen Cash gekostet“ hat.
Wo ich ihm nicht beipflichte, dass er der EZB (EuropäischeZentralBank) die Schuld in die Schuhe schiebt, weil sie die Zinsen, also den Leitzins, binnen „Jahresfrist um 4% erhöht hat“. Dies ist in meinen Augen für einen Aufsichtsratsvorsitzenden und Wirtschaftsexperten ein Fakt, den man aus wirtschaftlicher Sicht eines Unternehmens und in diesem Fall Konzerns berücksichtigen MUSS. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Auch ich als Restaurantbetreiber musste meine langfristige Preisgestaltung mit diesem Wissen kalkulieren, um wirtschaftlich arbeiten und handeln zu können. Mittlerweile sollte jeder Imbissstand-Betreiber über dieses Wissen funktionieren.
Im Allgemeinen bestätigt er allerdings, was ich schon gestern geschrieben habe: umso mehr Tochtergesellschaften und Branchen man betreibt, desto größer ist die Gefahr, dass man den Konzern früher oder später vor den Baum fährt. Als Restaurantbetreiber wäre ich nie auf den Gedanken gekommen noch eine Zoo-Handlung oder Friseur-Salon zu eröffnen. Das höchste der Gefühle noch ein Unternehmen in selben Sektor. Und eines sage ich ganz klar: diese zwei Meldungen über Insolvenzen werden in diesem Jahr nicht die letzten sein! Wenn nicht sogar in diesem Monat. Und damit pflichte ich Gusenbauer nochmals bei: „[…] Das Verhalten, sich in einer Immobilienkrise auf ein Unternehmen zu fokussieren, entspricht meiner Meinung nach nicht ihrer regulatorischen Aufgabe und hat sicher nicht geholfen, die Krise zu bewältigen […]“. Eine Schuld in seinen Beratungen sehe er laut eigenen Angaben nicht. Auch die immense Summen, die für seine Tätigkeiten erhalten hat rechtfertigt er, schließlich habe er die Einnahmen ordnungsgemäß in Österreich versteuert.