Eine Branche, die geknebelt wird

Die Gastronomie wurde nach der Corona-Krise zur Rehabilitierung entlastet. Die Mehrwertsteuer wurde von den üblichen 19% auf einen verminderten Satz von nur 7% heruntergesetzt. Gastronomen sollten so bundesweit entlastet werden. Der Satz galt bis zum 31.12.2023. Bundesweit gab es Forderungen, dass es zu einer Verlängerung kommt. Zumal die Gastronomie sich immer noch nicht erholt hat und bei weiten vom Prä-Corona-Niveau entfernt ist. Doch auch die Forderung des Bundesverbandes DeHoGa (also der Branchenverband des Deutschen Hotel- und Gastronomiegewerbes) blieben ohne Erfolg. Eine staatliche Sterbehilfe einer sozialrelevanten Branche. Hier in Italien wäre das ganze Spiel anders ausgegangen. Hierzulande ist das Restaurant, die Bar oder das Café eine soziale Institution. So etwas, wie die gute Stube, wo man sich trifft, zusammen sitzt, „un Café“ oder auch (gerne schonmal am Morgen) einen Apperol gemeinsam trinkt – bevor es zur Arbeit geht.

Eine Branche, die „den Bach runter geht“. Leere Stühle … immer mehr und mehr! – (c) Hannes1991

Folglich stieg der Mehrwertsteuersatz zum 1. Jänner 2024 wieder auf die üblichen 19%. Dies machte sich auch gleich zum 1. Jänner in den Speisekarten vieler Restaurants bemerkbar, die zeitgleich mit Rückführung zur „alten“ Mehrwertsteuer ihre Preise anhoben. Verständlicherweise.

Mehrere (negative) Aspekte treffen und belasten die Gastronomie. Nur um die wichtigsten Punkte anzuführen. Es gibt einen akuten Personalmangel, was zur Folge hat, dass das Personal, welches „gelockt“ werden kann höhere Personalkosten erfordert. Zum Anderen sind die Kosten für Mieten gestiegen, wie auch die Kosten für Energie. Dazu ein wesentlicher Punkt: die meisten – eigentlich alle Gastronomen – verfügen über einen Gasherd. Seit dem Russland/Ukraine- Konflikt sind allerdings die Gaspreise erheblich gestiegen. Und als letzter wesentlicher Punkt: die Preise für Lebensmittel sind ebenfalls nicht unerheblich gestiegen. Eine Kombination, welche eine Erleichterung für die Gastronomie zwingend langfristig notwendig macht.

Laut einer Umfrage der DeHoGa bei den Mitgliedern befürchtet jeder dritte Betrieb, also 33,3333%, in diesem Jahr in akute Schieflage zu geraten. Wieviele Betriebe damit staatlich zur Schließung gezwungen werden lässt sich an einer Hand absehen. Warum gibt der Staat jährlich Milliarden an Subventionen für Konzerne aus? Gibt mehrere Millionen für Neugründungen aus? Nur die bestehenden Betriebe und ein nicht unrelevantes Gewerbe für Bund und Länder wird indirekt eingestampft?!

Dieser Aspekt sorgt bei mir für Trauer, Unverständlichkeit und mit Blick auf die Zukunft und in die Glaskugel auf eine düstere Zukunft für die Gastronomie. Riesige Fastfoodketten – beispielsweise die Kette mit dem großen „M“ am Anfang- haben da weniger Probleme, zumal man über den Firmensitz im Ausland verfügt, das Personal mit Dumpinglöhnen bezahlt wird und zum anderen minderwertige Lebensmittel verwendet werden. Aus wirtschaftlichen Aspekten lohnt sich der Hauptsitz in Deutschland mittlerweile für kaum noch ein größeres Unternehmen und ich selbst würde genauso davon abraten. Ich habe mittlerweile auch eine „nicht-deutsche“ Steuernummer, weil es wesentlich attraktiver ist.

Wen wundert es, wenn es dazu noch schwieriger wird, junge Menschen für eine Ausbildung zu begeistern. Eine Branche mit „rosigen“ Ausblicken, wo gegebenenfalls der Ausbildungsplatz von heute auf morgen wegfällt. Es Arbeitszeiten gibt, die unchristlicher und familienunfreundlicher nicht sein könnten. Und vor allem, der körperlich als auch psychisch alles fordert. Jeder junge Mensch sucht sich eine andere Branche. Und ja, die Gefahr des „Wegbrechen der Ausbildungsstelle“ besteht. Schaut man sich nur einmal die Zahl der gastronomischen Betriebe vom Jahr 2014 im Vergleich zu den Zahlen Anfang 2024 an, stellt man schnell fest 163‘225 Betriebe, sind es mittlerweile lediglich noch 137‘687 Betriebe. Wobei es 2018 sogar noch über 165 tausend Betriebe waren. (Quelle DeHoGa) Unter den großen Begriff der „gastronomischen Einrichtungen“ fallen übrigens Restaurants, Bars, Schankwirtschaften, Cafés, Eissalons, Vergnügungslokale, allerdings auch Diskotheken und Tanzlokale.

Dies trifft natürlich auch die allgemeine Wirtschaft. Man darf nicht vergessen, dass eine so mächtige Branche, wie die Gastronomie in mehreren Bereichen wesentlichen Wirtschaft Einfluss hat. Dazu gehört unter anderem die Lebensmittelbranche, die Immobilienbranche, die Energiebranche sowie auch die Branche rund um Sanitär, Einrichtung oder auch den Bereich bei Fachausstattung (Gasherde, Salamander, Konvektomaten, …). Ich kenne niemanden, der zu Hause einen Konvektomat im Wert einen Mittelklassewagens stehen hat. Anstelle dessen die kleine Mikrowelle aus China. Summa summarum es ist eine Lawine, eine Art Schneeballsystem, welches mit der Rückführung der Mehrwertsteuer aus den herkömmlichen Satz von 19% in Gang gebracht wurde. Zur allgemeinen Wirtschaftlichkeit eines Restaurants hatte ich bereits vor Kurzem einen Artikel veröffentlicht.

Ein Armutszeugnis für ein Land wie Deutschland!!! Allerdings ganz ehrlich mit einem Bundeskanzler, dessen Rücktritt nach noch nicht einmal einer Legislaturperiode gefordert wurde, wen wundert es da? Meiner Meinung nach wäre unter der Regierung von Helmut Schmidt (SPD) die Corona-Krise und deren Folgen, gerade für die Gastronomie komplett anders ausgegangen. Sein aktueller Nach-nach-nach-nach-folger, der ebenfalls der SPD angehört hingegen bringt nichts anderes, als Sauerkraut auf den Teller. Unter Schmidt wäre es pures Eisbein im fünf Gänge Menü gewesen. Deswegen immer Augen auf bei Wahlen und den Versprechungen, denn es sind zwei Paar Schuhe, was vor der Wahl versprochen wird und was nach der Wahl auch passiert!

Just my 2 Cent.

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