Welch ein Wunder. Die Meldung kommt nicht unerwartet, eigentlich wunderlich, dass sie erst jetzt kommt. Ein Konzern mit ins über fünfzehntausend Angestellten? Corona? Und ein Firmenkonzept, welches stark zu wünschen übrig lässt. Im Allgemeinen war das wirtschaftliche Aus seit der Übernahme Karstadt‘s durch Galeria schon ohne Glaskugel zu prophezeien. Seit über einhundert Jahren prägten Karstadt-Warenhäuser deutsche Straßen (genauer gesagt am 14. Mai 1981 in Wismar gegründet), doch die goldene Ära könnte für immer ihr Ende finden. Oder auch mit den Worten der inoffiziellen Nationalhymne von Reinhard Fendrich ausgedrückt: »Dei hohe Zeit is lang vorüber […]«.
Die dritte Insolvenz. Man kann auf die Nase fallen und Fehler machen! Nur man sollte daraus lernen und das hat dieser Konzern nicht geschafft. Traurig, aber wahr. Der größte Fehler meines Erachtens war, dass Galeria den kaputten Karstadt-Konzern an sich gerissen hat. Corona konnte niemand vorhersehen. Nur bei einem Projekt diesen Ausmaßes sollte man alle Gefahren – „Risiken und Nebenwirkungen“ – abwägen. Auch unter dem Aspekt, dass es bei Signa (dem Mutterkonzern) zu Schwierigkeiten kommt ist meines Erachtens nach keine Rechtfertigung. Schon in den letzten Wochen hatten mehrere österreichische Unternehmen des Konzern René Benko – welcher zu Signa Handels- und Immobilienfirma gehört – Insolvenz angemeldet. Es ist mehr ein Zeichen, dass es schwierig ist ein stabiles Unternehmen mit Mutterkonzernen zu führen. Hinzu kommt, dass Galeria sich absolut überschätzt hat.
By the way: noch nie hatte eine eierlegende Woll-Milch-Sau Erfolg! Ein Unternehmen, welches von der Geldbörse über den Mantel bis zur Gastronomie alles bieten will ist zum Scheitern definitiv verurteilt! Warum sind die Großen genau so groß? Weil sie sich auf einen Schwerpunkt spezialisiert haben. Ferrari wird auch keine Ü-Eier verkaufen.
Das große Dilemma sehe ich allerdings aus dem Aspekt, dass Manager und Wirtschafts“Experten“ seit der Fusion mit Karstadt es schaffen die Existenz von über fünfzehntausend Angestellten zu riskieren und das zum dritten Mal in weniger als fünf Jahren. Man sollte nicht vergessen, dass im Endeffekt nicht der große Boss leidet. Es sind die eh unterbezahlten „kleinen“ Verkäuferinnen und Verkäufer. Die Auszubildende und der Auszubildende. Das sollte stark zu denken geben.
Wer sich ein wenig informiert: Karstadt war mal einst eines der größten Warenhäuser Europas. Doch durch Schieflagen, Fehlentscheidungen und falschen Kalkulationen in schweren Zeiten musste eine nach der anderen Filialen geschlossen werden. Wenn so etwas passiert sollten und müssen eigentlich bei jedem „Experten“ die Alarmglocken läuten wie die des Petersdom!
Der einzige Wermutstropfen: nach Insolvenzantrag beim Landgericht Essen scheint es – nach verschiedenen Medienberichten – schon Gespräche mit verschiedenen Investoren zu geben. Dennoch heißt dies noch lange nicht eine Rettung des Konzerns. So böse es klingen mag. Meines Erachtens nach wäre es besser, diesen zum Tode verurteilen Konzern sich selbst zu überlassen und stattdessen zeitnahe Lösungen für die Angestellten zu suchen. Es wird einen neuen Kollaps geben. Die Frage ich nur ob in einem Jahr oder in zwei Jahren. Ich möchte niemandem etwas unterstellen, nur ich befürchte, dass es ein System ist. Irgendjemand verdient viel Geld. Ich glaube nicht, dass auch nur einer der Konzernbosse mit einem alten Fiat oder Trabant durch die Gegend fährt. Der AUDI A8L oder Mercedes der S-Klasse mit Fahrer läuft zwar über Leasing, nur auch diese Verträge wollen gedeckt sein.
Alora. Auch wenn der Galeria-Chef, Olivier van den Bossche, so wörtlich »im heutigen Tag […]« nur einen »Befreiungsschlag« sieht, langfristig gesehen gibt es keine Rettung. Die Preisgestaltung ist ausschlaggebend und das bei einer „Post-Corona-Arbeitslosenzahl“, die verheerend ist. Da ist Amazon preislich durch Dumpingpreisen und Dumpinglöhnen klar in der Führung.
19‘000 Mitarbeiter müssen kurz nach dem Jahreswechsel bangen und hoffen. Eine unvorstellbare Situation, die allerdings zugegebenermaßen, weit mehr Menschen in Deutschland tagtäglich begleitet.
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{ N A C H T R A G – 22.36 Uhr }
Ja, die WiWo (WirtschaftsWoche) schreibt darüber, dass Chef‘s ihre Mitarbeiter (…) zu einer »Aufbruchstimmung« motivieren müssen. Ganz ehrlich, mit der Meldung heute über die Insolvenz von Galeria Kaufhof Karstadt, Sparkassen-Skandalen, und und und … glaubt hier jemand ernsthaft jemand an solche Phantasien? Jemand der kein Gras raucht, nüchtern ist und bei klarem Verstand wird daran zweifeln. Einbußen in der Gastronomie und Hotellerie? Die Arbeitnehmer, die Menschen sind verängstigt. Abzüge an Einlagen sind nur eine Folge.
Wie kann man Menschen animieren zu investieren, die gerade verängstigt sind den Arbeitsplatz zu verlieren und aus der Wirtschaft lediglich Horrormeldungen täglich neuem Ausmaßes geliefert bekommen? Der „First step“ nach der Corona-Krise sollte sein in die Normalität zurück zu kehren. Es sind bis jetzt wirtschaftliche Folgen der vergangenen Jahre zu spüren und zu beobachten. Da gibt es nichts zu motivieren. Da gibt es nur eines: den „normalen“ Arbeitnehmer finanziell abzusichern. Ganz ehrlich, jeder Anleger, der aktuell sein versucht ist wahnsinnig!
Ich hatte gerade in Südtirol ein Gespräch mit einer Dame, die von der Pleite des deutschen Warenhauses wusste und meinte »wir steuern auf eine schwere Zeit hin«.
Glaubt dabei noch jemand an Realität? KATASTROPHE!!!! Die europäische Wirtschaft steht am Rande der Realität. Die europäische Regierung am Rande der Glaubwürdigkeit. Bevor Chefs wieder versuchen wollen die Wirtschaft zu reanimieren gilt es eins: den einzelnen Mitarbeiter wirtschaftlich und damit finanziell zu stabilisieren. Und um das zu erreichen gilt es der Politik Maßnahmen zu ergreifen. Ein Wirtschaftswunder wird es nicht mehr geben – in den nächsten (mindestens) fünf bis zehn Jahren. Das hat mir nicht die Glaskugel, sondern mein gesunder Menschenverstand gesagt.
Also liebe #WiWo, solche Artikel sind lachhaft, respektlos und ethisch äußerst fraglich. An einem Tag, an dem neunzehntausend Menschen erfahren haben, dass ihr „toller“ Konzern zum dritten Male versagt hat und die Arbeitslosigkeit droht!